Literatur in 300 Wörtern (29): Alfred Hayes – In Love

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Alfred Hayes - In LoveInhalt in 3 Sätzen: Eine junge Frau und ein Mann in den Dreißigern werden ein Paar: Eigentlich passen sie ganz gut zusammen und doch scheint etwas zu fehlen. Sie war bereits verheiratet, hat ein Kind und fühlt sich zuweilen etwas verloren, er ist Schriftsteller und hat Schwierigkeiten, sich auf eine dauerhafte Beziehung einzulassen. Dieses äußerst fragile Beziehungsgeflecht wird auf die Probe gestellt, als sich ein anderer Mann einmischt – und der Frau ein folgenreiches Angebot unterbreitet…

Lieblingszitat: „Zugegeben, ich habe mich oft gelangweilt, sie war oft bedrückt, an manchen Abenden saß ich ihr gegenüber, hörte Radio oder eine ihrer Schallplatten und wusste nicht, worüber ich mich mit ihr unterhalten sollte. Und manchmal war ich ruhelos, bereute es, überhaupt eine Affäre angefangen zu haben. […] Und wenn sie spürte, wie ich mich innerlich zurückzog, fragte sie, woran ich dachte, worauf ich antwortete, an nichts Besonderes, aber diese flüchtigen Vorsätze, die ich im Dunkeln liegend traf, waren ebenso absurd und falsch wie meine Wünsche nach einem anderen Leben, denn sobald ich gegangen und tatsächlich allein war, sehnte ich mich aufs Neue nach ihr.“

Autor Alfred Hayes erzählt in diesem Roman die Geschichte einer scheiternden Liebe. In melancholischen Ton berichtet der Protagonist von seinen Gefühlen, die er sich selbst erst eingesteht, als die Beziehung bereits unwiderruflich in die Brüche gegangen ist. Es geht um zwischenmenschliche Spannungen, verpasste Chancen und Missverständnisse. Die beiden Hauptfiguren geraten in einen Strudel aus Gefühlen, Hoffnungen und Sehnsüchten, aus dem sie sich beide nicht mehr befreien können. „In Love“ ist ein beeindruckend poetischer Roman, der vor allem durch seine dichte Atmosphäre besticht und den Leser nicht unberührt zurücklässt.

Dieses Buch ist für alle Melancholiker, die sich für einfühlsame Romane begeistern. „In Love“ ist eine echte Entdeckung! Es wurde bereits in den 1950er Jahren geschrieben und jetzt in einer neuen Übersetzung veröffentlicht. Der (recht unbekannte) Autor hat unter anderem Drehbücher für den Film verfasst – was man seiner atmosphärischen und bildreichen Sprache durchaus anmerkt.

Kopenhagen – Meine persönlichen Reisehighlights

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Breite Fahrradwege, köstliche Backwaren und formvollendetes Design – dies alles und noch viel mehr hat Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen zu bieten! 5 Tage habe ich in dieser tollen Stadt verbracht und ganz viele Fotos wieder mitgebracht. Vor meiner Reise hatte ich mir eine neue Kamera gekauft, die natürlich gleich getestet werden musste – und ich bin mit den Ergebnissen sehr zufrieden!

Was sollte man in Kopenhagen sehen? Ich versuche mal meine Highlights zusammenzufassen: Zu allererst sollte man, sofern man denn gerne Rad fährt, die Stadt auf jeden Fall auf den wunderbar breiten Fahrradstreifen erkunden. Kopenhagen ist ohne Frage DIE Fahrradstadt schlechthin, teilweise sind die Spuren für Fahrräder genau so breit wie die Spuren für Autofahrer – genial! Der Straßenverkehr ist herrlich entspannt, niemand regt sich auf – das Radeln macht hier wirklich viel Spaß. Da sollte sich die eine oder andere deutsche Großstadt mal ein Beispiel am Kopenhagener Modell nehmen.

Welche Stadtteile haben mir am besten gefallen? Gemütlich sind auf jeden Fall die Bezirke Nørrebro (studentisch, multikulturell, kleine Läden und Cafés) und Vesterbro: ein hippes Viertel mit schönen Altbauten – und sogar eine sizilianische (!) Eisdiele mit köstlichem Pistazieneis gab es! Aber auch das Zentrum hat schöne Plätze und entspannte Viertel zu bieten. Die Touristenströme sind eigentlich alle nur am Tivoli oder am Hafen unterwegs – ansonsten war es überall recht ruhig.

Desweiteren gibt es natürlich einige Sehenswürdigkeiten wie das Wahrzeichen der Stadt (Meerjungfrau-Statue), Hafen (Nyhaven), das Schloss und die Carlsberg Brauerei abzuklappern. Empfehlenswert ist auch das autonome Stadtviertel Christiania, das mich sehr an alternative Wohnprojekte in Berlin-Kreuzberg (die Wagenburg am Landwehrkanal) erinnert hat. Es herrschte allerdings leider striktes Foto-Verbot: dort wird teilweise mit Marihuana und anderen Drogen gehandelt und vermutlich haben die Bewohner Angst vor strafrechtlicher Verfolgung bzw. sie wollen ihrem Viertel noch einen Hauch Exklusivität bewahren, die bei dauerfotografierenden Touristen wohl nicht gewahrt bleiben würde.

In der gesamten Innenstadt findet man außerdem überall dänisches Design: Es ist allgegenwärtig! Die Dänen lieben es definitiv ihren privaten Wohnbereich, aber auch öffentliche Einrichtungen schick zu gestalten. Architektonisch herausragend sind auf jeden Fall das Opernhaus, das Schauspielhaus, die Bibliothek (Der schwarze Diamant) und “Das Haus mit den blauen Augen“.

Einen verregneten Tag (ist im kühlen dänischen Sommer keine Seltenheit) kann man wunderbar für einen Besuch in dem etwas außerhalb der Stadt liegenden Kunstmuseum Louisiana nutzen. Zu sehen gibt es dort moderne Kunst (nahezu alles, was Rang und Namen hat) und Ausstellungen über Architektur und andere Themen zu sehen. Die Villa hat einen großen Skulpturengarten und während man durch die Ausstellungen schlendert, lohnt sich immer wieder auch ein Blick aus dem Fenster: Die Dänen verstehen zweifellos etwas von Architektur und Ästhetik!

Dies erfuhr ich dann auch bei einer Radtour durch das neu entstehende Stadtviertel Ørestad, dem jüngsten Viertel Kopenhagens. Dort sind unterdessen auf der grünen Wiese interessante Wohnkomplexe entstanden, die teilweise bereits mit zahlreichen Architekturpreisen ausgezeichnet wurden. Definitiv sehenswert.

Strand und Meer gibt es Kopenhagen auch, nur wenige U-Bahnstationen vom Zentrum entfernt liegt der Amager Strandpark. Optimist wie ich bin hatte ich in meinem Reisekoffer tatsächlich Badekleidung mitgenommen. Angesichts des kalten Seewindes und eher herbstlichen Temperaturen war an Baden aber nicht zu denken… Aber was soll’s! – Kopenhagen hat ohne Frage mehr zu bieten als einen Strand. Mir hat die Stadt gut gefallen und ich werde bestimmt mal wiederkommen (auf jeden Fall mit Fahrrad!)

Wart ihr schon mal in Kopenhagen? Wie hat es euch gefallen, habt ihr besondere Reisetipps? Freu mich über Kommentare!

Ausstellungstipp: Sony World Photography Awards 2015

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Das Willy-Brandt-Haus in Berlin-Kreuzberg hat immer wieder interessante Ausstellungen mit großen Namen aus der Fotografiewelt. So bestaunte ich schon vor einer Weile die beeindruckenden Fotos von Vivian Meyer und Jim Rakete – bei freiem Eintritt!

Derzeit gibt es auch wieder eine interessante Ausstellung: das Haus zeigt die Gewinnerfotos des renommierten internationalen Wettbewerbs Sony World Photography Awards. Mitmachen konnte jeder Fotobegeisterter, egal ob Profi, Amateur oder Student. Aus über 180.000 Einsendungen wurden nun die bewegendsten Werke ausgewählt und prämiert.

© Bernhard Lang, Germany, 2015 Sony World Photography Awards.

© Bernhard Lang, Germany, 2015 Sony World Photography Awards.

© Andrès Felipe Caicedo Sierra, Colombia, 2015 Sony World Photography Awards.

© Andrès Felipe Caicedo Sierra, Colombia, 2015 Sony World Photography Awards.

Die präsentierte Auswahl ist bunt gemischt und sehr abwechslungsreich: von Einblicken in das kolumbianische Alltagsleben über Aufnahmen aus politischen Krisengebieten bis hin zu gut beobachteten Straßenszenen in Schwarz-Weiß – in der Ausstellung wird ein breites Spektrum an Themen und Stilen gezeigt.

© Elliott Erwitt

© Elliott Erwitt

Sehr inspiriert haben mich persönlich die Aufnahmen des Magnum-Fotografen Elliott Erwitt, der mit dem Preis für “Herausragende Leistungen für die Fotografie” ausgezeichnet wurde. Seine Impressionen aus dem amerikanischen Alltag wurden mit einer sehr feinen Beobachtungsaufnahme aufgenommen – nicht selten lässt einen ein sorgsam bemerktes Detail schmunzeln. Teilweise spricht aus seinen Fotos aber auch eine tiefe Melancholie und Tragikomik.

Willy-Brandt-Haus
Stresemannstraße 28
10963 Berlin
Dienstag bis Sonntag 12-18 Uhr
Eintritt frei, Ausweis erforderlich.
Noch bis zum 20. September!
http://fkwbh.de/ausstellung/sony-world-photography-awards-2015

Literaturhäppchen (2)

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Annemarie Schwarzenbach - Eine Frau zu sehenIch liebe ja diese kleinen hellblauen Büchlein vom Verlag Kein & Aber. So war auch meine zufällige Begegnung mit Eine Frau zu sehen von Annemarie Schwarzenbach im Buchladen wieder eine Liebe auf den ersten Blick! Die Schweizer Autorin erzählt in dieser kurzen Erzählung mit einer beeindruckenden poetischen Sprache von einem schicksalshaften Ski-Urlaub, während dem sie ihre Zuneigung zu Frauen entdeckte. Homosexualität – ein Tabuthema in der Gesellschaft der späten 1920er Jahre! Dieser Text ist nicht nur sehr persönlich, auch wird beim Lesen der enorme Mut der Autorin deutlich, sich über die moralischen Urteile ihrer eigenen Zeit hinwegzusetzen und ihre intimen Gefühle auf solche Weise der Öffentlichkeit preiszugeben. Wie Schwarzenbach als damals gerade mal 21-jährige (!) die Anziehung zwischen zwei Menschen beschreibt: Hut ab! Die Erzählung besteht zwar nur aus etwa 50 kurzen Seiten, sprachlich ist sie aber derart treffend und kraftvoll ausgedrückt, dass man das Gefühl nicht loswird: dieses Buch muss man noch öfter lesen, um es in seiner Tiefe wirklich erfassen zu können.

Wilhelm Genazino - Eine Frau, eine Wohnung, ein RomanEine Frau, eine Wohnung, ein Roman – der Titel sagt eigentlich schon alles, worum es hier geht! Wilhelm Genazino erzählt von einem jungen Mann, der in den 1960er Jahren auf der Suche nach sich selbst ist. Er ist ein großer Literaturliebhaber, ein Träumer, die Schule hat er abgebrochen – doch was anfangen mit dem Leben? Über kleine Umwege gelangt er zum Schreiben, lernt die nicht sehr glamouröse Welt des Lokaljournalismus kennen, trifft auf Künstler und Pseudo-Intellektuelle, die alle vorgeben, gerade an einem Roman zu schreiben – und es wahrscheinlich nie fertig bringen werden. Auf leichtfüßige Art schildert der Roman den manchmal doch steinigen Weg zum Erwachsenwerden und die schwierige Suche nach persönlicher Erfüllung. Mit ironischem Blick fängt der Roman die Atmosphäre der 60er Jahre ein und teilt Seitenhiebe gegen die nur scheinbar glanzvolle Welt des Künstlertums und Journalismus aus. Nicht zuletzt ist der Roman eine Liebeserklärung an die Literatur und das Schreiben – und eine Erinnerung daran, dass man sich gerade als junger Mensch immer selbst treu bleiben sollte.

Ausstellungstipp: Radikal modern – Planen und Bauen im Berlin der 1960er-Jahre

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Josef Kaiser, Großhügelhaus, Bildmontage: Dieter Urbach, 1971, © Dieter Urbach/Berlinische Galerie

© Dieter Urbach/Berlinische Galerie

Die Architektur der 1960er Jahre prägt das Berliner Stadtbild wie kaum eine andere Stilrichtung. Selbst Wahrzeichen wie der Fernsehturm am Alexanderplatz sowie die neue Gedächtniskirche am Breitscheidtplatz, die heute jedem Berlin-Touristen bekannt sind, stammen aus dieser Zeit. Dies lag vor allem darin begründet, dass im Zweiten Weltkrieg große Teile der Berliner Innenstadt zerstört worden waren und die vielen Freiflächen eine neue Stadtplanung erforderten.

Die spannende Ausstellung Radikal modern in der Berlinischen Galerie widmet sich den außergewöhnlichen Bauten, die in den 60er Jahren in Ost- und Westberlin entstanden und beleuchtet das widersprüchliche Echo, das sie hervorriefen. Planungen wie der bis heute sehr umstrittene Bau der Stadtautobahn, der den Abriss ganzer Wohnviertel erforderte, werden dort ebenso erwähnt wie utopische Ideen junger Architekten, die nicht realisiert wurden.

Georg Kohlmaier, Barna von Sartory, Rollende Gehsteige am Kurfürstendamm, Repro Bildcollage, 1969, © Georg Kohlmaier/Elisabeth von Sartory/Berlinische Galerie, Repro: Markus Hawlik

© Georg Kohlmaier/Elisabeth von Sartory/Berlinische Galerie, Repro: Markus Hawlik

So etwa das Konzept der beiden Architekten Georg Kohlmaier und Elisabeth von Sartory: Röhren mit Rolltreppen für Fußgänger – und das mitten im Westberliner Zentrum! Auch so mancher anderer Entwurf mutet wie aus einem Science-Fiction-Film an und offenbart erfrischend unkonventionelle Architekturideen.

Insgesamt zeigt die Ausstellung rund 300 Werke von ungefähr 30 Architektinnen und Architekten, Planungsbüros, Fotografen und Künstlern. Ein Besuch lohnt sich auch im Filmraum, indem teilweise sehr kultige Filmausschnite über die damaligen Reaktionen auf bestimmte Projekte gezeigt werden. Eine sehr sehenswerte Ausstellung für alle Architekturfans!

Berlinische Galerie
Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur
Alte Jakobstraße 124–128
10969 Berlin
Mittwoch–Montag 10:00–18:00 Uhr; Dienstag geschlossen
Noch bis zum 26.10.2015

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