5 Jahre Sommerdiebe

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Es gibt was zu feiern: Mein Blog wird heute tatsächlich schon 5 Jahre alt! Sage und schreibe 217 Artikel habe ich in dieser Zeit hier veröffentlicht. Ein bisschen stolz kann man da ja schon sein, oder? Ich freue mich immer noch darüber, mein kleines Blogprojekt wachsen zu sehen, auch wenn ich vielleicht in letzter Zeit weniger geschrieben habe als früher. Aber wie das so ist: Die Wochen verrennen und nicht immer ist es leicht, alle Hobbies und Freizeitaktivitäten unter einen Hut zu bringen. Außerdem verbringe ich meine Arbeitswoche schon größtenteils mit Texten und Social Media – ab und zu brauch ich da auch mal eine (kreative) Pause ohne Computer.

Warum bloggst du?“ Diese Frage kann ich nach all den Jahren immer noch klar beantworten: Weil es mir Spaß macht. Weil ich es mag, meine Gedanken zu Büchern, Filmen, Kunstausstellungen und Fotografie aufzuschreiben. Umso schöner, wenn es Leute da draußen gibt, die meine Texte auch noch gerne lesen und sich vielleicht sogar von dem einen oder anderen Tipp inspirieren lassen. Danke daher für Eure Likes und Kommentare – und dass Ihr meinem Sommerdiebe-Blog treu geblieben seid🙂

Meinen Lieblingsautoren Truman Capote, von dem ich mir ja meinen Blognamen ausgeliehen habe, lese ich übrigens nach all den Jahren immer noch sehr gerne. Nach mehreren Biografien habe ich mich nun endlich an sein Hauptwerk „In Cold Blood“ herangewagt. Es werden sicher noch viele weitere Capote-Texte folgen. Und ich lass Euch selbstverständlich wissen, wie sie mir gefallen haben.

Auf weitere schöne Kulturblogger-Jahre. Cheers & bis bald,

Eure Deborah

Auf den Spuren von Sherlock Holmes – Escape Berlin

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Ich hatte ja schon länger mal Lust, bei so einem Live Escape Game mitzumachen. Mittlerweile gibt es ja in ganz Deutschland verteilt unzählige Anbieter, die das unterhaltsame Echtzeit-Rätselspiel anbieten. Kurz zur Erklärung: Bei einem Live Escape Game betritt man meist in einer kleinen Gruppe von etwa 5 Personen einen vorher präparierten Raum, der nur mittels guter Beobachtungsgabe und detektivischem Gespür wieder verlassen werden kann. In vielen Escape Games geht es darum, den (gut versteckten) Ausgang zu finden und ganz nebenbei einen kniffligen Kriminalfall zu lösen.

Vor ein paar Wochen war es dann endlich soweit. In einem doch eher unscheinbaren Plattenbauviertel in Berlin-Prenzlauer Berg spielte ich mein erstes Live Escape Game. Escape Berlin bietet zwei Spiele an, zum einen Big Bang, das viele Anspielungen auf Serien enthält, zum anderen Sherlock Holmes. Da ich mit Serien ja doch eher wenig am Hut habe, mich aber umso mehr für die Literatur begeistere, entschied ich mich gemeinsam mit vier weiteren lieben Familienmitgliedern das Sherlock Holmes-Game zu spielen.

Sherlock Holmes - Escape Berlin

Zuerst erhalten wir eine kurze Einführung in das Geschehen. Die Story ist schnell erzählt, die Zeit drängt ja auch: Sherlock Holmes ist verschwunden! Und wir sollen uns auf die Spuren des weltberühmten Meisterdetektivs begeben. So finden wir uns kurze Augenblicke später auch schon in seinem äußerst geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer wieder. Ein Sekretär aus dunklem Holz, Glasvitrinen mit Büchern, ein Kamin. Durch die vielen sorgfältig ausgewählten Requisiten fühlen wir uns wirklich sofort ins 19. Jahrhundert zurückversetzt. Es dauert nur kurze Zeit, da haben wir nach einigem Herumsuchen auch schon die ersten Hinweise gefunden. Was hat es mit den rätselhaften Schwarzweißfotos auf sich? Welcher gefundene Schlüssel könnte an anderer Stelle vielleicht nochmal hilfreich sein? Wo könnten noch wertvolle Hinweise versteckt sein? Es ist auf jeden Fall eine gute Idee, einige Mitspieler zum Escape Game mitzubringen. Denn wie das so ist: Jeder hat seine Stärken – umso besser, wenn jeder diese in das Spiel einbringen kann.

Stellenweise wird es ganz schön knifflig und teilweise ist schon eine ordentliche Portion logisches Denken erforderlich. Wir kommen jedoch gut voran und müssen nur ein paar Mal auf die Tipps der Escape-Room-Macher zurückgreifen. Diese blenden von Zeit zu Zeit auf einem Bildschirm Hinweise ein, die wir dann natürlich sofort beherzigen. Definitiv eine gute Sache😉 Ohne Hinweise wäre es sicher auch gut schaffbar gewesen, aber so werden wir schließlich sogar noch vor Ende der vorgegebenen Zeit von 60 Minuten fertig. Die Stunde ist wie im Flug vergangen, noch vollgepumpt mit Adrenalin sind wir am Ausgang angekommen. Hat wirklich Spaß gemacht und war eine sehr kurzweilige Unterhaltung. Klar, die Story und die Auflösung hätte vielleicht noch etwas tiefgründiger sein können, aber bei nur 1 Stunde Zeit zum Lösen ist ein solcher Fall vielleicht auch gerade genau richtig. Mich hat es auf jeden Fall gepackt. Ein Live Escape Game spielen…mit einer Handvoll netter Leute mach ich das bestimmt mal wieder.

Habt Ihr schon mal bei einem Live Escape Game mitgemacht? Oder Ihr seid jetzt neugierig geworden, mal eines zu spielen? Hier findet Ihr eine Übersicht von Live Escape Games in ganz Deutschland.

Reingelesen: art – Das ist Berlin! (September-Ausgabe)

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art - September-Ausgabe - Das ist Berlin

Vom 13. bis 18. September findet wieder die Berlin Art Week statt. Das Großereignis im Herbst ist vor allem der zeitgenössischen Kunst gewidmet und bietet ein breites Angebot an Ausstellungen, Messen, Vortragsreihen und vielem mehr. Gleichzeitig öffnen viele private Sammlungen, Ateliers und Galerien für Besucher ihre Türen.

Die aktuelle September-Ausgabe des Kunstmagazins art ist die ideale Lektüre für alle, die sich für die Berliner Kunstszene interessieren und sich vielleicht auch auf die Berlin Art Week einstimmen wollen. Mich machte vor allem die Titelüberschrift gleich neugierig: „Ultimativer Berlin-Guide – 181 Tipps für Einsteiger und Profis“ heißt es dort. Als gebürtige Berlinerin war ich echt gespannt, was da wohl so für Empfehlungen dabei wären. Ich muss zwar zugeben, dass ich mich wenig in kleineren Galerien und meistens doch eher in größeren Kunsthäusern wie dem Martin-Gropius-Bau, dem c/o Berlin oder der Berlinischen Galerie herumtreibe – aber vielleicht war in diesem Guide ja auch die eine von mir noch unentdeckte Perle dabei?

art - Berlin-Guide

Aufgegliedert nach Bezirken ist der Guide schon mal sehr übersichtlich, praktisch sind außerdem die kleinen Stadtpläne, die zeigen, wo sich die Museen und Galerien befinden. Damit steht einem kleinen Spaziergang durch bestimmte Kunst-Quartiere wie der Gegend rund um die Auguststraße in Mitte oder dem Zoologischen Garten in Charlottenburg nichts mehr im Wege. Es werden sogar konkrete Routenvorschläge unterbreitet – auch wenn ich bezweifle, dass meine persönliche Aufnahmefähigkeit für mehr als 2 oder 3 Ausstellungshäuser hintereinander reichen würde. Kommt natürlich auch auf die Größe der jeweiligen Galerie an. Kunstbesessene finden aber in jedem Fall tolle Anregungen für einen kulturellen Streifzug durch die Galerieszene Berlins.

Überrascht hat mich als Berlinerin beispielsweise, wie viele Kunstorte sich mittlerweile rund um die Potsdamer Straße angesiedelt haben. Ramschläden, Dönerbuden und ein Straßenstrich an der benachbarten Kurfürstenstraße…Kunst würde man hier auf den ersten Blick eher nicht erwarten. Aber hier wurde ich beim Durchblättern der art schnell eines Besseren belehrt: Auf dem Gelände, auf dem bis vor wenigen Jahren noch die Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ seine Verlagsräume hatte, lässt sich jetzt junge Fotokunst, Concept Art, Modedesign und vieles mehr entdecken. Keine Frage, hier muss ich wirklich bald mal vorbeischauen.

Ursula Sax - art Magazin

Auch bei der weiteren Lektüre bin ich auf viele Artikel gestoßen, mit denen ich meine Heimatstadt jetzt sicher mit anderen Augen sehen werde. Interessant zum Beispiel das Porträt der Bildhauerin Ursula Sax, die ich bisher nur von ihrer riesigen quitschgelben Looping-Skulptur an der Autobahn Avus kannte. Diese ähnelt einer riesigen Spaghetti – und schon als Kind war dieses unübersehbare Kunstwerk für mich nach einer Urlaubsreise mit dem Auto immer ein klares Zeichen – Ich bin wieder in Berlin.

Georg Kolbe, faszinierende Ateliers von Berliner Künstlern, eine Vorschau auf kommende Ausstellungen in Deutschland und der ganzen Welt – Bei der September-Ausgabe der art handelt es sich wirklich um ein schön gestaltetes und sehr inspirierendes Heft. Der Kunst-Herbst kann kommen!

Welche Kunst-Orte begeistern Euch in Berlin am meisten? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare!

Kulinarische Orte: Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg

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Gutes Essen ist mir persönlich sehr wichtig. Klar, sich selbst abends noch was Schönes zu kochen macht Arbeit und man muss vielleicht auch ein klein wenig mehr Zeit investieren – dennoch finde ich, dass sich der Aufwand definitiv lohnt. In dieser neuen Serie möchte ich (in zunächst unregelmäßiger Form) kulinarische Orte vorstellen, die ich als Hobby-Köchin und Naschkatze für mich entdeckt habe. Ess- und Trinkkultur – dieser Aspekt hat doch in meinem Kulturblog schon länger gefehlt, oder was meint Ihr?

Ein toller Ort für alle Genießer ist in Berlin definitiv die Markthalle Neun in Kreuzberg. Die Markthalle wurde im 19. Jahrhundert gebaut und zählt damit zu den ältesten in der ganzen Stadt. 2011 wurde sie nach umfassender Sanierung wiedereröffnet – seitdem finden hier regelmäßig Events wie der längst etablierte „Street Food Thursday“ statt, bei denen Händler beispielsweise ihre außergewöhnlichen Imbiss-Kreationen vorstellen. Einige Stände sind jedoch auch dauerhaft in der Markthalle, so zum Beispiel die italienische Bäckerei Sironi, die Pasta-Manufaktur Mani e pasta, der Küchenladen Küchenliebe oder die relativ neue (gläserne) Metzgerei Kumpel & Keule. Sicher, um den ganzen Wocheneinkauf zu machen, ist die Markthalle Neun doch etwas teuer…aber Stöbern macht hier einfach richtig viel Spaß!

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Letzten Sonntag war ich wieder mal in der Markthalle Neun, diesmal zu einem ganz besonderen Event, dem Japan Breakfast Market. Ich begeistere mich schon länger für die japanische Kultur, würde sogar sagen, dass ich gerade in einer ziemlichen Japan-Phase stecke😉 Ich kann es auch kaum erwarten, mal in dieses faszinierende Land zu reisen. Dies kommt sicher auch daher, dass ich vor einer Weile nette Japaner/innen kennengelernt habe, mit denen ich mich gerne an den unterschiedlichsten Orten in Berlin treffe. Dieses mal also in der Markthalle Neun.

Ob Bentobox-Kochkurs, raffinierte japanische Süßigkeiten oder filigrane Keramik – auch diesmal habe ich sehr viel Neues entdeckt und bin ein Stück weit mehr in die japanische Kultur eingetaucht. Leider war es sehr voll, sodass ich so manch eine kulinarische Kostprobe auf ein anderes Mal verschoben habe. Die Onigiri von der japanischen Bäckerei Kame wollte ich zum Beispiel schon länger mal probieren, aber da schau ich wohl lieber mal an einem normalen Wochentag in der Filiale in Charlottenburg vorbei. Beim Keramik-Stand bin ich dann schwach geworden: Bin ja gerade umgezogen und noch dabei mich einzurichten. Und an diesen tollen Suppen- und Reisschalen konnte ich einfach nicht vorbeigehen…

Witzig war auch ein überaus kreativer japanischer Eisstand, der sich am Ausgang der Halle befand: Hier kurbelte ein eifriger Verkäufer an einem Rädchen – und heraus kam dieses wunderbar klebrige Sirup-Wassereis. Lecker und sehr erfrischend.

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Auf welchem Wochenmarkt stöbert Ihr in Berlin (oder gerne auch in einer anderen Stadt) am liebsten? Ich freue mich über Eure kulinarischen Tipps!

Auf Street-Art-Tour in Friedrichshain-Kreuzberg

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Friedrichshain-Kreuzberg ist der absolute Hotspot für kreative und ausgefallene Street-Art und Graffiti. Nirgendo sonst in Berlin lässt sich eine solche Vielfalt entdecken wie hier. Tobi von Berlin Kultour bietet bereits seit einer Weile kleine individuelle Stadttouren zu kulturellen Themen an. Da ich mich schon länger für Street-Art interessiere, nehme ich seine Einladung, als Bloggerin an seiner Tour teilzunehmen, gerne an. Meine persönlichen Highlights der Street Art Tour lest Ihr jetzt hier!

Kaisers an der Warschauer Straße. Es geht los! Nachdem ich Tobi und die zweite Teilnehmerin der Tour gefunden habe (ich habe wohl lange genug suchend in der Gegend umhergeschaut, um als Tourteilnehmerin erkannt zu werden ;)), stolpern wir nach wenigen Metern auch schon über das erste Gemälde – das Werk „Swiss Knife“ des Schweizer Street-Art-Kollektivs One Truth. Als Halbschweizerin freue ich mich natürlich sehr über einen solchen Auftakt der Tour😉

Swiss Knife von One Truth

Swiss Knife von One Truth

Nur ein paar Straßen weiter liegt das RAW-Gelände, das zwar in letzter Zeit vor allem mit Negativ-Schlagzeilen aufgefallen ist (Gewalt und Drogen), ansonsten aber eine große Dichte an kreativer Streetart und hippen Veranstaltungen (z.B. Streetfood-Markt in der Neuen Heimat) bietet. Die Location mit abgeranztem Lagerhallen-Charme hat was – das beweisen auch die vielen Street Art Bilder und Graffitis, die Ihr hier an jeder Ecke bestaunen könnt:

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Tobi erläutert ausführlich einzelne Bilder, geht gleichzeitig aber auch auf aktuelle politische Entwicklungen ein: So wurde das RAW-Gelände letztes Jahr neuen Eigentümern übergeben, die zwar versprochen haben den Mix aus Kultur, Clubszene, Gastronomie und Sport zu erhalten – doch es bleibt abzuwarten, inwieweit dieses Konzept wirklich durchgesetzt werden wird. Wie so oft in Berlin dreht sich alles um ein großes Thema – die drohende Gentrifizierung von ganzen Stadtquartieren.

Wieder zurück auf der Straße zeigt uns Tobi noch zwei Motive, die mir nicht nur in Berlin, sondern auch in vielen anderen deutschen Städten wie zum Beispiel Hamburg oder Köln schon öfter aufgefallen sind: El Bochos Little Lucy und die sogenannten Confetti Dancer des französischen Künstlers Sobre.

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In einem Buch, das Tobi mit dabei hat, können wir auch gleich noch ein anderes tolles Werk von El Bocho betrachten: Für eines seiner Projekte schmückte er das marode Stadtbad Wedding vor einigen Jahren mit einem aufwendigen Tape-Art-Gemälde.

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Weiter geht’s Richtung Oberbaumbrücke. Hier stoßen wir zuerst auf eine echte Perle der Kreuzberger Street Art – ein Werk einer der wenigen Street-Art-Künstlerinnen. Die Street-Art-Szene ist nach wie vor sehr männerdominiert, wie Tobi schließlich ausführlich erläutert. Schön an diesem Gemälde ist auch, dass die italienische Künstlerin Alicé die Umgebung in ihr Werk einbezieht. So fügen sich die Paletten und auch die Bäume drumherum einfach perfekt in ihr Werk ein:

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In einem kleinen Exkurs geht Tobi auf kommerzielle Street Art ein, bei der Künstler in der Regel von großen Firmen beauftragt werden. Ein gutes Beispiel ist das Dare-Devil-Gemälde unweit der East Side Gallery, das von Netflix in Auftrag gegeben wurde:

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Je mehr wir Richtung Cuvry-Kiez laufen, wird mir die kritische Komponente von Street-Art bewusst, die immer wieder in die Werke der Künstler miteinfließt. So stehen wir etwa eine ganze Weile vor dem Bild „Pink Man“ von Blu, das auf die mythologische Leviathan-Figur verweist. Das Bild setzt sich aus dem Oberkörper eines Riesen zusammen, der aus Hunderten kleinen nackten sich umklammernden Menschen besteht. Ein einziges Individuum, symbolisiert durch eine weiße Menschenfigur, ist im Begriff vom Riesen verschlungen zu werden. Im übertragenen Sinne kann das Gemälde etwa so gedeutet werden, dass die Massenkultur die individuelle Entfaltung eines Menschen nicht mehr zulässt. Das Individuum wird im wahrsten Sinne des Wortes unterdrückt und schließlich von der Masse einverleibt.

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Dann gelangen wir schließlich zu einem der berühmtesten Street-Art-Spots Berlins, der Cuvry-Brache. Diese sorgte vor einigen Jahren vor allem für Aufsehen, da der italienische Künstler Blu sein eigenes Gemälde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion schwarz übermalte: Als Protest gegen die Kommerzialisierung, denn auf der Cuvry-Brache sollten ursprünglich Luxus-Apartments gebaut werden. Blu selbst wollte mit seinem ikonischen Gemälde nicht Teil dieser Entwicklung sein und entschied sich wohl vor allem aus diesem Grund für die Zerstörung seines eigenen Werks. Unterdessen sind die Investoren abgesprungen und die weitere Nutzung des Geländes bleibt vorerst offen. Auf die Fläche des ehemaligen Gemäldes haben andere Künstler eine sehr eindeutige Geste gemalt – einen Stinkefinger.
Es bleibt spannend, wie die Brache in Zukunft genutzt werden wird. Aber wie das in Berlin ja oft so ist, kann es sich wohl nur noch um Jahre handeln bis eine endgültige Entscheidung über die Nutzung getroffen wird😉

Früher:

Street Art an der Schlesischen Straße

Jetzt:


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Mir selbst wurde auf unserem Spaziergang der große Wandel dieses Kiezes bewusst, als ich sah, wie die Dichte an hippen Kaffeeläden, kleinen Boutiquen und Bio-Läden mittlerweile zugenommen hatte. Ich kann mich noch genau erinnern, dass die Geschäfte vor einer Weile noch etwas normaler und bodenständiger waren, als ich vor ein paar Jahren ein Praktikum in der Wrangelstaße gemacht habe und jeden Tag durch diese bunte Gegend schlenderte. Gleichzeitig macht es jedoch auch Hoffnung, dass sich kulturelle Institutionen wie der Club Lido nach wie vor im Kiez halten können und bisher noch nicht weichen mussten. Gentrifizierung, ein Thema, das gerade den Kiez rund um die Cuvrystraße wohl noch länger beschäftigen wird…

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Am U-Bahnhof Schlesisches Tor biegen wir schließlich in die Köpenicker Straße ein, wo uns Tobi erneut auf die enorme Vielfalt an Street-Art-Formen aufmerksam macht. Ob Pieces, die mit dem Feuerlöscher gemalt wurden oder gesellschaftskritische Gemälde, in denen Stücke der Berliner Mauer zu Euro-Geldscheinen werden: Es ist echt spannend zu sehen, wie jeder Künstler seinen eigenen unverwechselbaren Stil entwickelt.

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Unsere Tour neigt sich so langsam dem Ende zu. Schließlich laufen wir noch zu einigen weiteren bekannten Gemälden rund um die Oranienstraße und den Görlitzer Bahnhof:

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Vor allem Victor Ashs Astronaut/Cosmonaut ist aus Kreuzberg kaum mehr wegzudenken. Cooler Fun-Fact, den uns Tobi zum Abschluss noch verrät: Wenn man zu einer bestimmten Zeit kurz vor Sonnenuntergang hier ist, sieht es so aus, als würde der Astronaut/Kosmonaut eine Fahne in der Hand halten. Dann zeichnet sich nämlich der Schatten einer Fahnenstange vom Autohaus gegenüber auf der Hauswand ab. Witzig…muss ich mir unbedingt bald mal ansehen.🙂

Ein spannender Nachmittag geht zuende. Die drei Stunden sind wie im Fluge vergangen und Tobi ist wirklich ein sehr kompetenter Guide, der nicht nur sehr viel über die Stadtgeschichte Berlins weiß, sondern auch bestens über die Szene und aktuelle politische Entwicklungen in Friedrichshain-Kreuzberg informiert ist. Hat echt Spaß gemacht.

Allen, die jetzt neugierig geworden sind, kann ich nur empfehlen, an einer von Tobis Touren teilzunehmen. Ich für meinen Teil werde in Zukunft sicher noch aufmerksamer durch Berlins Straßen gehen und nach kreativen Motiven Ausschau halten.

Berlin Kultour – Street Art in Friedrichshain-Kreuzberg
Nächster Termin: 20.08.2016, 15 – 18 Uhr, 10 €
Anmeldung unter: tobi@berlinkultour.de

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