Trinkkultur – Gin selber machen

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Gin selber machen

Selbstgemachter Gin…davon hätte Hemingway wohl nur träumen können…

Was macht ein Literat, wenn sich die bevorzugte Flasche Gin fast dem Ende zuneigt? Na klar…er macht ihn selbst! Nun bin ich zwar in dem Sinne keine Literatin, dennoch bin ich einem gutem Glas Gin keinesfalls abgeneigt.😉 Für den Blog meiner Brüder, dem lesenswerten Spirituosenmagazin Alkoblog, hab ich kürzlich ein Do-it-Yourself-Paket zur Gin-Herstellung getestet. Meinen ausführlichen Artikel lest Ihr jetzt hier!

Cheers & ein schönes Wochenende,

Eure Deborah

Literatur in 300 Wörtern (35): Vendela Vida – Des Tauchers leere Kleider

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Des Tauchers leere KleiderInhalt in 3 Sätzen: Eine junge Amerikanerin reist nach Casablanca und wird gleich am ersten Tag im Hotel bestohlen: Reisepass, Kreditkarte, persönliche Dinge – alles weg! Zunächst versucht sie mithilfe der Hoteldirektion und der örtlichen Polizei zurück an ihre Sachen zu gelangen, doch diese scheinen kein großes Interesse an der Aufklärung des Diebstahls zu haben. Dann taucht auf der Polizeistation plötzlich ein Rucksack und ein amerikanischer Pass auf – die junge Frau klärt den Irrtum nicht auf und nimmt kurzerhand die fremde Identität an…

Lieblingszitat: „Der Polizeichef streckt dir seine Hand entgegen und du nimmst sie. Er schüttelt sie dir kräftig und bedeutungsvoll: Du verstehst, dass er damit sagen will, hier wurde eine Abmachung getroffen, und du hast deine Seite einzuhalten. Du spürst, wie sich eine Warze am Rand seines Daumens in den Rand deines  Daumens drückt. Nach einer gefühlten Minute lässt er deine Hand los.“

Ein bisschen Hitchcock, ein klein wenig Patricia Highsmith und vielleicht auch eine Prise Max Frisch – Das alles steckt in der von Anfang an sehr merkwürdig erscheinenden Handlung von „Des Tauchers leere Kleider„. Wovor läuft die Protagonistin davon? Und vor allem, was bewegt sie dazu, ihre alte Identität so einfach von einem auf den anderen Tag abzulegen? Der Roman ist spannend von der ersten Seite an und wird im Verlauf immer rätselhafter. Die namenlose Hauptfigur verwickelt sich immer tiefer in ein komplexes Netz aus verschiedenen Identitäten, Lügen und ihrer eigenen Vergangenheit, die sie aus guten Gründen hinter sich lassen möchte. Gesteigert wird die nervenaufreibende Stimmung noch durch die außergewöhnliche Erzählperspektive, denn der ganze Roman wird in der zweiten Person Singular berichtet. Was anfangs vielleicht noch gewöhnungsbedürftig erscheint, trägt aber auch zu einem starken Gefühl von Unmittelbarkeit beim Leser bei. Wir alle stecken mit drin in diesem Komplott und lernen schlussendlich auch als Einzige, was hinter allem steckt.

Dieses Buch ist für alle Leser, die einen spannenden und dennoch tiefgründigen Roman lesen möchten. Die Geschichte kreist letztendlich auch um eine zentrale philosophische Frage: Was macht uns zu dem, was wir sind? Unsere Charaktereigenschaften, unsere Vergangenheit und Erfahrungen oder die Menschen, mit denen wir uns umgeben? Eingebettet in eine thrillerartige Atmosphäre erzählt „Des Tauchers leere Kleider“ die Geschichte eines Neuanfangs und regt gleichzeitig zum Nachdenken an.

Kino: Paterson

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PatersonPaterson“ ist so ein Film, der so unspektakulär daherkommt, dass es fast banal klingen würde, den Inhalt zusammenzufassen. Und man würde dem Film unrecht tun, ihn nur auf seine doch eher handlungsarme Story zu reduzieren. „Paterson“ ist einer diesen kleinen, feinen Filme, die eher durch ihre vielen kleinen Details und Zwischentöne bestechen als durch dramatische Geschehnisse.

Worum geht es also in Jim Jarmuschs neuem Film? Ein junger Mann Anfang 30 lebt in der kleinen Provinzstadt Paterson, die witzigerweise nicht nur wie er selbst heißt, sondern die überhaupt tief mit seinem Leben verwoben zu sein scheint. Er arbeitet von morgens bis abends als Busfahrer, schreibt in der Mittagspause Gedichte für seine flippige Freundin Laura, die sich tagsüber auf unterschiedlichste Weise kreativ auslebt – malen, nähen, Gitarre spielen, Cupcakes backen. Der Film zeigt Patersons Alltag, vom allmorgendlichen Cornflakes-Frühstück bis zu seinem allabendlichen Feierabendbier, das er in der ein und derselben Kneipe trinkt. So viel zum Inhalt. Und das soll spannend sein?

Seltsamerweise ist es das. Auch wenn sich die Abläufe immer wieder wiederholen, macht es einfach Spaß, den sympathischen introvertierten Paterson durch seinen Tag zu folgen, die gleichen Gespräche von Passagieren im Bus zu belauschen wie er, die skurrilen Leute in seiner Stammkneipe zu beobachten oder mit ihm zu erleben, wie seine Freundin zum gefühlt zehnten Mal die Wohnungseinrichtung mit psychedelischen Mustern bemalt oder eigenwillige Gerichte auf den Esstisch zaubert. „Paterson“ strotzt nur so vor liebevollen Details – allen voran natürlich die immer missmutig dreinblickende Bulldogge Marvin, die Paterson eher aus Liebe zu seiner Freundin als Haustier duldet. Die Dichtkunst, Literatur, Musik und Bildende Kunst schwebt über allem, wird im Laufe des Films immer wieder von den unterschiedlichsten Figuren diskutiert oder einfach genossen. „Paterson“ ist ein leiser Film über einen stillen Menschen, konzentriert sich ganz auf die kleinen, ganz alltäglichen Dinge, die das Leben in Wahrheit ausmachen. Schöner poetischer Film zum Träumen.

TV-Tipp: Truman Capote – Enfant terrible der amerikanischen Literatur

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http://www.arte.tv/guide/de/058385-000-A/truman-capote-enfant-terrible-der-amerikanischen-literatur

Ob seine herausragenden literarischen Werke wie „Frühstück bei Tiffany“ und „Kaltblütig“ oder seine legendären Parties und Auftritte in der New Yorker High Society: Kaum ein amerikanischer Schriftsteller sorgte im vergangenen Jahrhundert für mehr Furore als Truman Capote. Arte hat dem faszinierenden Genie am Mittwoch einen ganzen Abend gewidmet. Unter anderem lief auch eine schöne Doku, die sein Leben und literarisches Wirken anschaulich und sehr kurzweilig beleuchtete: Von seinen literarischen Anfängen als Jugendlicher in den Südstaaten über seine ersten größeren Erfolge bis hin zu seinem Absturz und Ausstoß aus der feinen Gesellschaft. In der Doku kommen zahlreiche Weggefährten zu Wort, aber auch Stimmen aus der gewärtigen Literatur- und Verlagsszene wie Daniel Kehlmann und der Kein-und-Aber-Verleger Peter Haag berichten von ihrer persönlichen und beruflichen Auseinandersetzung mit Capotes Werken.

Für mich als leidenschaftliche Capote-Leserin war die Doku wieder mal eine kleine Auffrischung. Ich habe längst noch nicht alles von ihm gelesen und habe durch die Doku auf jeden Fall schöne Leseanregungen bekommen. Allen, die sich einen Überblick über diesen schillernden Schriftsteller verschaffen wollen, lege ich die Doku sehr ans Herz. Sie liegt noch bis zum 16. Dezember in der Arte Mediathek. Und/Oder werft einen Blick in George Plimptons Biografie. Auch sehr lesenwert.

Viel Spaß beim Anschauen und Capote-Lesen!

Ab ins Kino! 4 Filmtipps, kurz und knackig

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Ich weiß nicht, wie’s bei Euch aussieht, aber ich habe die Kino-Saison schon längst wieder eingeläutet. Gerade wenn es draußen grau und dunkel ist, gibt es für mich fast nichts Schöneres, als ins Kino zu gehen und in ferne Filmwelten zu entfliehen. Außerdem ist es meist ja auch so, dass im Herbst und Winter einfach viel mehr Interessantes im Kino läuft.

Kino am Bundesplatz

Zudem hab ich nach meinem Umzug nach Berlin-Friedenau nicht nur gleich zwei Arthouse-Kinos direkt in meiner Nachbarschaft entdeckt, auch sonst wohne ich jetzt einfach viel zentraler und somit auch näher dran am Berliner Kulturleben.🙂 Da ich es wohl zeitlich nicht schaffe, über meine zahlreichen Kino-Besuche alle nochmal einzeln zu bloggen, hier also kurz und knapp:

Meine 4 Filmtipps für den Kino-Herbst!

Tschick

  • Tschick

Worum geht’s? Zwei Außenseiter-Typen, 14 Jahre alt, aus Berlin fahren mit einem geklauten Lada durch Ostdeutschland und erleben dabei allerhand Abenteuer. Ein Roadmovie über das Erwachsenwerden (oder den Weg dorthin).
Mein Fazit: Wolfgang Herrndorfs Roman „Tschick“ als Film: Ich finde immer spannend, was ein Regisseur aus einer literarischen Vorlage macht – und in diesem Fall ist es ja sogar der berühmt-berüchtigte Fatih Akin (Gegen die Wand, Auf der anderen Seite), der sich diesem Stoff angenommen hat. Die Hauptfiguren sind wie im Buch herrlich überdreht und skurril. Klar, die Romanhandlung musste an vielen Stellen etwas gekürzt werden, aber insgesamt ist „Tschick“ einfach ein Film, der Spaß macht.

Frantz

  • Frantz

Worum geht’s? Deutschland, kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Eine junge Frau trauert um ihren Verlobten Frantz, der im Krieg gefallen ist. Eines Tages taucht in ihrer Stadt ein Franzose auf, der sich als ehemaliger Freund von Frantz zu erkennen gibt. Doch er scheint auch ein Geheimnis zu haben…
Mein Fazit: François Ozons Film überzeugt nicht nur durch seine wunderschöne Schwarzweiß-Ästhetik, sondern fängt auch die düstere Nachkriegsatmosphäre auf anschauliche Weise ein. Lobenswert sind auch die schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller, Paula Beer und Pierre Niney. Ein Film, der unter die Haut geht.

Im Namen meiner Tochter

  • Im Namen meiner Tochter

Worum geht’s? Im Sommer 1982 macht die 14-jährige Kalinka Urlaub am Bodensee bei ihrer Mutter und ihrem Stiefvater und stirbt dort auf unerklärliche Weise. Der Fall wird zunächst zu den Akten gelegt. Erst als Kalinkas leiblicher Vater auf einer erneuten Obduktion besteht, erhärtet sich nach und nach der Verdacht, dass Kalinka von ihrem Stiefvater missbraucht wurde.
Mein Fazit: Der Fall Kalinka beschäftigte die französische und deutsche Justiz rund 30 Jahre, bis Kalinkas Stiefvater schließlich verurteilt wurde. „Im Namen meiner Tochter“ zeichnet auf sensible Weise das Leben und Leiden aller am Prozess Beteiligten nach, zeigt die Schwächen eines Rechtssystems, das nicht immer für Gerechtigkeit sorgt. Vor allem der Kampf für eine gerechte Verurteilung, für die Kalinkas Vater André Bamberski sich unermüdlich einsetzt, steht im Vordergrund – großartig gespielt von Daniel Auteuil.

Toni Erdmann

  • Toni Erdmann

Worum geht’s? Ines (Sandra Hüller) arbeitet als Unternehmensberaterin in Rumänien, fernab von ihrer Familie in Deutschland. Spontan kommt ihr Vater zu Besuch und ist ihr mit seinen albernen Scherzen und Verkleidungen mehr ein Dorn im Auge. Immer wieder prallen sie mit ihren gegensätzlichen Lebensentwürfen aneinander…erst eine weitere Verwandlung ihres Vaters lässt sie wieder einander näher kommen.
Fazit:
Ich weiß, mit diesem Filmtipp bin ich reichlich spät. „Toni Erdmann“ ist ja spätestens seit der Cannes- und Auslandsoscar-Nominierung oft im Gespräch gewesen. Und das völlig zu Recht! Selten hat mich ein Film eine derartige Achterbahn der Gefühle erleben lassen. Teilweise unglaublich komisch (bitte Taschentücher einpacken, Lachtränen-Alarm), dann ist es aber auch wieder erschreckend realistisch und sehr berührend, wie diese doch leicht verkorkste Vater-Tocher-Beziehung erzählt wird (auch hierfür Taschentücher einpacken). Also, bitte bitte liebe Filmfreunde: Wenn Ihr noch irgendwie die Möglichkeit habt, den Film im Kino zu sehen, unbedingt reingehen!

Welche Filme wollt Ihr Euch noch unbedingt im Kino anschauen? Oder welche habt Ihr bereits gesehen, die Ihr mir empfehlen könnt? Freu mich über weitere Anregungen!