Literatur & Alkohol (2)

Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , , ,

schriftsteller

Nicht selten bedeutet das Schreiben von literarischen Texten auch ein Griff zur Flasche! Die Literaturgeschichte ist geprägt von alkoholischen Exzessen, die den einen oder anderen Schriftsteller in seinem kreativen Schöpfungsprozess inspirierten. Schon vor einer Weile habe ich im Alkoblog meine Serie Literatur & Alkohol angefangen, die dieses eigenartige aber nicht von der Hand zu weisende Phänomen genauer unter die Lupe nehmen möchte. Nun geht es endlich weiter mit einem neuen Bericht aus der Welt der beschwipsten Literaten!
In dieser Folge geht es um ein besonders alkoholgetränktes Werk der russischen Literatur: Jerofejews Roman “Die Reise nach Petuschki” erzählt von einer ziemlich versoffenen Zugfahrt voller skurriler Reisegefährten und sonstigen aberwitzigen Erlebnissen. Schaut vorbei! Cheers & viel Spaß beim Lesen!

Literatur in 300 Wörtern (21): Fjodor M. Dostojewski – Der Spieler

Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , ,

Der SpielerInhalt in 3 Sätzen: In der fiktiven deutschen Stadt „Roulettenburg“ tummelt sich die russische Upper Class und amüsiert sich bei Speis, Trank und Glücksspiel. Der junge Hauslehrer Alexej, angestellt bei einer adligen Familie, erzählt aus seiner Perspektive von den nahezu absurden Machenschaften der bankrotten Russen, die auf die Erbschaft einer gut betuchten Tante hoffen, um ihre finanzielle Lage wieder in Ordnung zu bringen. Beeinflusst von der unglücklichen Liebe zu der Adligen Polina stürzt auch er sich bald in das verhängnisvolle Glücksspiel…

Lieblingszitat: „Ich setzte von neuem fast ohne Bewusstsein. Ich musste wohl sehr zerstreut sein; denn ich erinnere mich, dass die Croupiers mein Spiel mehrmals korrigierten. Ich beging grobe Fehler. Meine Schläfen waren feucht von Schweiß, und die Hände zitterten mir. Auch die Polen wollten sich mir mit ihren Diensten aufdrängen; aber ich hatte für niemand Ohren. Das Glück blieb mir fortwährend treu. Auf einmal erhob sich um mich herum Stimmengewirr und Lachen. ‚Bravo, bravo!‘ riefen alle, und manche klatschten sogar in die Hände. […] ‚Gehen Sie fort, gehen Sie fort‘ flüsterte mir eine Stimme von rechts zu.“

Dostojewski schildert wie kaum ein anderer Autor der Weltliteratur sehr anschaulich den tranceartigen Zustand, in den ein Süchtiger angesichts seiner Droge (in diesem Fall das Roulettespiel) verfällt und sich nicht mehr zu befreien vermag. Das Geschilderte ist stark autobiographisch gefärbt – auch Dostojewski verfiel immer wieder dem Glücksspiel und verarbeitet im Roman seine gescheiterte Liebesbeziehung. Er schrieb “Den Spieler“ sogar unter dem Eindruck akuter Geldnot in gerade einmal 26 Tagen, um mit den durch das Honorar erlangten Einnahmen seine Spielschulden bezahlen zu können. Gelungen ist in jedem Fall die satirische Schilderung einer dekadenten russischen Gesellschaft, welche über ihre eigenen Verhältnisse lebt und sich ihren eigenen Ruin schafft. Jeder lauert auf das Geld eines anderen – und gerät dabei immer mehr in den Sog des gefährlichen Spiels.

Dieses Buch ist für Leser, die nach einer kurzweiligen Lektüre suchen und sich vom großen Namen „Dostojewski“ nicht abschrecken lassen bzw. ein weniger seitenstarkes Werk von ihm lesen wollen. Denn klar, bei seinen Hauptwerken „Schuld und Sühne“ („Verbrechen und Strafe“) oder „Die Brüder Karamasow“ handelt es sich um echte Wälzer, die dementsprechend auch komplexer aufgebaut sind. „Der Spieler“ beweist aber ein weiteres Mal Dostojewskis große Meisterschaft im psychologischen Erzählen.

Kino: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Schlagwörter

, , , , , ,

The Imitation Game

1939. Kurz nach Ausbruch des Krieges bewirbt sich das Mathematik-Genie Alan Turing bei einem staatlichen Entschlüsselungsprojekt, das den Nazi-Geheimcode „Enigma“ dechiffrieren möchte.”The Imitation Game” erzählt eine mitreißende Geschichte eines Außenseiters, der erst nach seinem Tod für seine Leistungen geehrt wurde.
Meine Rezension gibt es jetzt im Farbfilmblog zu lesen!

Schönen Sonntag!

Literatur in 300 Wörtern (20): Vladimir Nabokov – Maschenka

Schlagwörter

, , , , , , , , , ,

Vladimir Nabokov - MaschenkaInhalt in 3 Sätzen:

Berlin, 1920er Jahre – in einer kleinen heruntergekommenen Pension haben sich sechs russische Emigranten mehr oder weniger eingerichtet und mit den ganz normalen Exilanten-Sorgen zu kämpfen. Einer von ihnen, Lev Ganin, erfährt durch einen Zufall, dass seine Jugendliebe Maschenka in wenigen Tagen mit dem Zug in Berlin ankommen wird. In alten Zeiten schwelgend beginnt er schon bald, die längst vergangene Liebelei in seiner Erinnerung erneut zum Leben zu erwecken.

Lieblingszitat: „Es war gegen drei Uhr morgens, die Stadtbahnzüge fuhren nicht mehr, und das Haus schien endlich haltgemacht zu haben. […] ‚Maschenka‘, sagte Ganin noch einmal, und er versuchte, in diese drei Silben alle Musik hineinzulegen, die früher darin mitgeklungen hatte: den Wind, das Summen der Telegraphenmasten, die Glückseligkeit und noch einen weiteren, geheimen Ton, der diesem Wort erst richtig Leben gab. Er lag auf dem Rücken und lauschte seiner Vergangenheit nach.“

Vladimir Nabokovs Debütroman zeigt bereits ein großes Maß der Sprachgewalt, mit der auch seine späteren Erzählwerke wie „Lolita“ zu überzeugen wissen. Mit einer beachtlichen Beobachtungsgabe und viel Feingefühl für die kleinen Nuancen schildert er eine zarte, längst in der Vergangenheit liegende Liebesgeschichte, die aber in der Erinnerung seine mächtige Kraft erneut entfalten kann. Darüber hinaus gibt Nabokovs Roman jedoch auch Einblicke in den Alltag russischer Exilanten, für die Berlin oft nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zu ihren Sehnsuchtsorten darstellt. Die Vergangenheit ist ein wohlig-warmer, vielleicht auch allzu leicht zu verklärender Ort, an den man nicht zurückkehren kann. Was vergangen ist, ist vergangen. Seinen Blick in die Gegenwart zu richten, im Hier und Jetzt zu leben und seine Energie in das jetzige Leben zu stecken – diese kluge Lebensweisheit gibt Nabokov seinen Protagonisten und letztendlich auch seinen Lesern mit auf den Weg.

Dieses Buch ist für Leser, die sich für nachdenkliche und sprachlich herausragende Literatur interessieren. Nabokov ist ein Meister darin, den Leser sofort in das Romangeschehen zu ziehen – auch sein dem filmischen Schreiben sehr naheliegender bildreicher Erzählstil verstärkt diese Wirkung zusätzlich. Kurzum: eine wunderbar nostalgisch angehauchte Lektüre und leider sind die 170 Seiten viel zu schnell durchgelesen.

Blind Travelling: Ilmenau!

Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , ,

Blind Travelling in Thüringen

“Blind Travelling? Was ist denn das?”, wird der neugierige Blogleser jetzt vielleicht fragen und ich erkläre es kurz. Blind Travelling ist eine Idee des Reisens, die ich mir mit ein paar Jenaer Freunden vor einer Weile ausgedacht habe. Es funktioniert so: 1. Thüringenkarte nehmen 2. Augen schließen und mit dem Finger einen Punkt auf der Karte auswählen und 3. reiselustige und für Abenteuer aufgeschlossene Freunde schnappen und den nächsten Zug an den zufällig gewählten Ort nehmen. Gesagt, getan. Bei uns wurde das schöne und uns gänzlich unbekannte kleine Städtchen Ilmenau südlich von Erfurt zum Reiseziel auserkoren. Über diese Stadt wusste ich bisher eigentlich auch nur, dass es da auch eine Uni gibt, ansonsten aber nicht so viel los ist. Ein verschlafenes Nest. Aber egal, man kann sich ja mal überraschen lassen!
Gut ausgerüstet mit Reiseproviant und guter Laune fuhren wir gen Ilmenau, wo uns am Bahnhof ein Kumpel von einem Kumpel einer der Mitfahrenden abholte – und sich spontan als Stadtführer anbot. Damit hatten wir alle überhaupt nicht gerechnet. Nach einem gemütlichen Kaffee machten wir uns erst Richtung Natur auf. Unser Ortskundige hatte ein Auto, sodass wir relativ flott im Thüringer Wald waren und dort den Gipfel des Kickelhahns erklommen. Goethe – keine große Überraschung, der war ja in Thüringen sowieso überall – hat dort oben in einer kleinen Holzhütte gehaust und dort die berühmten Verse “Über allen Gipfeln ist Ruh…” geschrieben. Angesichts der beeindruckenden Aussicht auf die wolkenverhangenen Gipfel und die leicht verschneiten Tannen konnten wir aber recht schnell nachvollziehen, dass ein solcher Anblick auf einen Künstler sicher eine sehr inspirierende Wirkung haben muss. Später bekamen wir dann noch eine Stadtführung durch die zwar recht kleine, aber sehr beschauliche Altstadt Ilmenaus. Goethe auch hier an jeder Ecke, wenn auch manchmal nur noch als Bezeichnung für Konsumtempel. Aber das ist in Jena ja ähnlich, wo die Shopping-Mall auch “Goethe-Galerie” heißt.
Nach diesem Tag in Ilmenau, wo man anscheinend doch mehr sehen kann, als wir alle erwartet hatten, waren wir alle sehr positiv gestimmt. Ohne die Idee des Blind Travellings wären wir vermutlich nicht nach Ilmenau gefahren, hätten nicht einen so schönen Tag gehabt. Blind Travelling hilft einem, Vorurteile zu überwinden, seinen Horizont zu erweitern und schlussendlich einen spaßigen Tag voller Überraschungen zu verbringen. Bei mir wird es sicher nicht das letzte Mal gewesen sein!

Hier sind wie immer ein paar Impressionen:

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 222 Followern an