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Ja, ich geb’s zu. Ich erstelle gerne Listen: To-Do-Listen, (Blogartikel)-Ideen-Listen, Einkaufslisten, Wunschlisten, Linklisten, Liebes– und Hasslisten, Playlisten, Filmlisten,… also warum sollte es nicht auch eine Lektüreliste geben? Nach ausgiebigem Nachdenken, Kramen in den Tiefen meines Bücherregals und Gedächtnisses ist sie nun also fertig: Die ultimative, einigermaßen chronologisch geordnete 2011-Lektüreliste! Sage und schreibe 15 3/4 (!) Bücher (wenn ich jetzt mal nicht die ganzen Bachelor-Sekundärtexte dazuzähle) habe ich mir bisher in diesem Jahr zu Gemüte geführt, nicht schlecht. So darf’s 2012 gerne weitergehn.

Iwan Gontscharow – Oblomow +++++

Großartig! Das Jahr 2011 begann im literarischen Sinne sehr gut. Eine meiner besten Buch-Entdeckungen dieses Jahr. Viel mehr muss man eigentlich auch nicht sagen. Für alle Gammler und die, die es werden wollen! Uneingeschränkte Leseempfehlung! (Meine Kurzrezension gab’s übrigens hier zu lesen!)

– Stewart O’Nan – Letzte Nacht ++

Kleine und feine Lektüre. Manchmal ist es einfach auch sehr entspannend mal ein nur 100-seitiges Buch zu lesen. Stewart O’Nans Kurzroman über den letzten Abend in einem Fastfood-Restaurant, bevor dieses für immer geschlossen wird, war sehr kurzweilig.

Leo Tolstoi – Die Kreutzersonate +++

Tolstoi ist ein genialer Schriftsteller. Wer sich an seine dicken Wälzer „Krieg und Frieden“ und „Anna Karenina“ nicht herantraut, sollte es auf jeden Fall mal mit seinen Erzählungen versuchen. Tolstoi ist nämlich ein wunderbarer Beobachter und vermag es seine Charaktere sehr erlebbar zu machen. Definitiv ein Erzählungsband zum immer wieder Lesen!

Vladimir Nabokov – Lolita ++++

„Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta: die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Lo. Li. Ta.“

Allein schon der Beginn des Romans spricht für sich! Sprachlich ist Nabokovs Skandalbuch ein Genuss. Auch der Erzähler, ein verschrobener Literaturprofessor, macht mit seiner stets leicht überkandidelten Ausdrucksweise einfach Spaß. Ein Roman, der von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Grandios!

Jack Kerouac – On the Road ++

Vielleicht lag es an meinen Erwartungen, vielleicht konnte mich die Thematik einfach nicht so packen. Jedenfalls hatte ich mir diesen Roman irgendwie abwechslungsreicher vorgestellt. War ich von der ersten Hälfte des Buchs noch hellauf begeistert, nahm die Handlung für mich ab der Mitte irgendwie an Spannung ab. Die Handlungsmuster (zu einem Kumpel in der Stadt X fahren, dort trinken, tanzen und alle erdenklichen Drogen ausprobieren, mit Y rummachen, wieder zu einem anderen Kumpel in die Stadt Z fahren…usw.) begannen sich zu wiederholen. Klar, vielleicht sollte das den Zeitgeist der Beat-Generation anschaulich wiedergeben – richtig fesseln konnte mich das Ganze aber nach einer Zeit nicht mehr. Schade drum – denn sprachlich war „On the Road“ sehr lesenswert.

Anton Tschechow – Die Dame mit dem Hündchen ++++

Und schon wieder ein Russe! Und dann auch noch der „frühe Meister der Kurzgeschichte“ (wie er jedenfalls oft bezeichnet wird)! Nicht nur die Titelgeschichte, auch die restlichen 17 Erzählungen habe ich sehr genossen. Tschechow schafft es einen in eine längst vergessene Lebensumgebung, in die unbekannte Welt der einfachen russischen Landbevölkerung um die Jahrhundertwende herum, zu entführen. Jetzt bin ich noch neugieriger auf seine Theaterstücke geworden…to be continued in 2012 würd ich also sagen 😉

A.L. Kennedy – Paradise +

Ich hatte diesen Roman schon vor ein paar Jahren angefangen, hatte dann aber irgendwie nach einem Drittel aufgehört. Aber ich wollte dem Buch noch eine zweite Chance geben. Beim Lesen merkte ich aber schon gleich, woran es wohl gelegen hatte, dass ich das Buch damals überhaupt zur Seite gelegt hatte: die Hauptfigur fesselte mich einfach nicht. Ihre laufende Selbstironie und sarkastische Ausdrucksweise war mir zwar durchaus sympathisch, aber im Großen und Ganzen konnte ich mich in die Protagonistin (vielleicht aber auch gut so, denn diese ist eine Alkoholikerin!) einfach nicht hineinversetzen. Ich zog die Lektüre zwar diesmal bis zum Schluss durch – viel ist insgesamt aber nicht hängen geblieben. Schade.

Oscar Wilde – The Picture of Dorian Gray (Bachelorlektüre!) +++++

Jahre war es her, dass ich Oscar Wildes Roman gelesen hatte. Für meine Bachelorarbeit wollte ich ihn aber auf jeden Fall nochmal lesen. Gesagt, getan: es ist und bleibt ein wunderbares und vor allem gut geschriebenes Buch! Es lohnt sich sehr, sich intensiv damit auseinander zu setzen – nicht nur wegen der genialen (Dandy)-Lebensweisheiten, die immer wieder eingestreut werden.

Joris-Karl Huysmans – Gegen den Strich (Bachelorlektüre!) +++++

In „The Picture of Dorian Gray“ verfällt der Protagonist selbst der Faszination dieses Buchs. Er lässt sich von „Gegen den Strich“ sogar 9 verschiedenfarbige Sonderausgaben anfertigen – für jede Stimmung die Richtige! Keine Frage also, dass auch ich mich mal mit diesem Meisterwerk der Dekadenzliteratur auseinander setzen wollte. Die vielen blumigen Beschreibungen haben mir ebenso gefallen wie der morbide Protagonist Des Esseintes – der doch tatsächlich eine lebende Schildkröte mit Gold überziehen und mit exquisiten Edelsteinen schmücken lässt! Ästhetizismus in Reinform.

Jules Barbey d’Aurevilly – Über das Dandytum (Bachelorlektüre!) +++

Für meine Arbeit über Dandys in der europäischen Literatur brauchte ich natürlich auch Kommentare von zeitgenössischen Autoren. d‘Aurevillys Werk beschäftigt sich mit dem Urdandy George „Beau“ Brummell und erklärt die Lebensphilosophie, die hinter dem Dandy-Phänomen steht. Ein Dandy, so d’Aurevilly, ist eben – nicht wie oft behauptet wird – nur ein wandelnder Kleiderständer, sondern lebt nach einer tiefgründigen Lebensphilosophie. Insgesamt ein sehr informatives und spannendes Buch, das gar als DAS Standardwerk über das Dandytum angesehen werden kann!

Joachim Bessing (u.a) – Tristesse Royal (Bachelorlektüre) – (verdient auch nicht nur einen müden Punkt – pah!)

Zunächst hatte ich ja gedacht, dass ich auch in meiner Bachelorarbeit auf die Frage eingehen könnte, ob es heutzutage überhaupt noch Dandys gibt. Diese Idee habe ich dann schließlich doch verworfen. Dieses Buch des sog. „popkulturellen Quintetts“ habe ich daher nur angelesen.  Ich muss auch sagen – es hat mich ziemlich schnell auch einfach fürchterlich aufgeregt! Da behaupten doch tatsächlich so ein paar arrogante Popliteratur-Schnösel Dandys zu sein – tz! (Zumindest wurden sie von der Literaturkritik als „Dandys der Popmoderne“ betitelt…) Nö. Seid ihr nicht, verdammt! Da gehört ein bisschen mehr dazu als Champagnersaufen und pseudo-intellektuelles Gelaber!
Das Buch wurde also kurzerhand in die Ecke gepfeffert und wieder in den Amazon-Marketplace-Shop rein gestellt. Wer es mir abkaufen will – nur zu! Ich werde es in meinem Bücherregal nicht vermissen! 😉

Choderlos de Laclos – Gefährliche Liebschaften ++++

Es ist zwar oft andersrum, aber in diesem Fall inspirierte mich tatsächlich mal ein Film, nämlich Stephen Frears Adaption des berühmten Briefromans, zum Buch zu greifen. Und es hat sich ohne Zweifel gelohnt. Zwar verlangt die teilweise arg schwülstige und hochgestochene Sprache der hier vorgestellten Adeligen einem als Leser einiges an Ausdauer ab, aber mit der Zeit ziehen einen die Intrigen einfach in den Bann. In Zeiten von Skype und E-Mailkontakt ist es auch einfach schön, mithilfe eines Romans in eine Zeit zurückzureisen, in der noch ellenlange Liebesbriefe hin und her geschickt wurden und in der die erste Frage des Tages folgende war: Hatte die Postkutsche endlich den ersehnten Brief des Geliebten gebracht?
Ein lesenswertes Werk – nicht nur für Romantiker.

Richard Ford – Abendländer ++

Paris im Dezember. Ein junges Liebespaar verbringt ein paar Tage in der Stadt der Liebe – plötzlich droht die Beziehung zu zerbrechen. Gut geschriebene Erzählung für die melancholischen Momente des Lebens.

Truman Capote – Frühstück bei Tiffany +++++

Holly Golightly ist ohne Zweifel eine der liebenswertesten weiblichen Romanfiguren des letzten Jahrhunderts. Wunderbar leichtfüßiger Kurzroman, den ich immer wieder mit viel Freude lese, so also auch dieses Jahr wieder! 😉

Pierre Bayard – Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat ++

Hab ich – wie passend – nur angelesen. 😉 Dennoch kann ich sagen: ein unterhaltsames Sachbuch, in dem der Autor (ein Literaturprofessor!) eine sehr sympathische Meinung vertritt: Es ist gar nicht schlimm, manche großen Werke der Weltliteratur nicht gelesen zu haben. Stattdessen soll man sich von diesem enormen gesellschaftlichen Druck befreien und Strategien erlernen, wie man trotz Nicht-Lektüre in kritischen Situationen (Gespräch mit Professor, Partys, Lesekreis, im Gespräch mit dem Autor) souverän und selbstbewusst über Literatur sprechen kann. Interessantes Buch, in das ich wohl nochmal reinlesen sollte..ähem!

Truman Capote – Baum der Nacht +++

Sehr poetische Sprache, authentische Figuren und viel Stoff zum Nachdenken. Truman Capotes Erzählungen vergisst man nicht wieder so schnell. Sehr lesenswert.

Raymond Chandler – Das hohe Fenster ++

Neulich erst rezensiert – und das obwohl ich es noch gar nicht zu Ende gelesen hatte. Aber unterdessen schon. Mein Gesamturteil: spannender Plot, wunderbar zynischer Detektiv, packende Erzählweise – und eine sehr überraschende Auflösung!  Den Namen Raymond Chandler sollte man sich als Fan von amerikanischer Kriminalliteratur auf jeden Fall merken.

So,ich hoffe, ich hab euch mit meiner Liste nicht erschlagen. Was habt ihr in diesem Jahr so gelesen? Welche Bücher waren lesenswert, welche haben euch enttäuscht, welche habt ihr in die Ecke gepfeffert? Eure Kommentare sind sehr willkommen!

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