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Damit ich nicht den Überblick verliere: mein (Kultur-)Notizbuch

2012 habe ich viel gelesen. Sehr viel. Ich habe es mir mittlerweile zur Gewohnheit gemacht (ordnungsliebend wie ich bin) in meinem Notizbuch aufzuschreiben, welche Bücher das nun waren. Mit kurzer Bewertung und Häkchen (hab ich schon drüber gebloggt oder nicht?) In diesem Jahr waren es also tatsächlich..tatataa.. sage und schreibe 22 komplett fertig gelesene und 4 angefangene und nicht zuende gelesene Bücher! 2 Unibücher stehen (im Moment) noch aus…

Da sich das Jahr mittlerweile schon wieder dem Ende zuneigt und ich es wohl nicht mehr schaffen werde, über all die gelesenen/angefangenen Bücher ausführlich zu bloggen, werde ich es jetzt mal anders machen! Ich werde in den nächsten Wochen versuchen, einfach mal kurz und knapp über Literatur zu schreiben! Das wird auf jeden Fall eine Herausforderung für mich, da es mir immer schwer fällt, mich kurz zu fassen. Ich hoffe, euch gefällt meine kleine Serie: Literatur in 300 Wörtern. (Müssen natürlich nicht immer haargenau 300 sein, aber ich werde versuchen mich grob an diese Vorgabe zu halten..es wird nicht leicht, aber ich versuch’s) Freu mich über Anregungen und Kommentare. Den Anfang mach ich heute mit einem Roman, der mich in diesem Jahr sehr begeistert hat: Max Frischs „Stiller“.

Inhalt in 3 Sätzen:

„Ich bin nicht Stiller!“, behauptet die Hauptfigur vehement und doch tauchen reihenweise Leute auf, die darauf bestehen, dass er genau dieser seit Jahren verschollene Bildhauer Anatol Ludwig Stiller sei. In einem Schweizer Untersuchungsgefängnis beginnt die Hauptfigur ihre Geschichte in einem Tagebuch niederzuschreiben. Die alles entscheidende Frage bleibt: Ist er nun Stiller, oder nicht?

Lieblingszitat: „Ich bin nicht Stiller. Was wollen sie von mir! Ich bin ein unglücklicher, nichtiger, unwesentlicher Mensch, der kein Leben hinter sich hat, überhaupt keines. Wozu mein Geflunker? Nur damit sie mir meine Leere lassen, meine Nichtigkeit, meine Wirklichkeit, denn es gibt keine Flucht, und was sie mir anbieten, ist Flucht, nicht Freiheit, Flucht in eine Rolle. Warum lassen sie nicht ab?“

Lesenswert / nicht lesenswert, weil es Max Frisch schafft, von der ersten Seite an Spannung aufzubauen. Wer ist dieser Mann, der so hartnäckig von sich behauptet nicht der zu sein, für den man ihn hält? Als Leser taucht man tief in die Gedankenwelt der Hauptfigur ein und weiß selbst oft nicht so recht, wem man nun eigentlich Glauben schenken soll: Stillers vermeintlicher Ehefrau Julika, die von ihrem Mann vor Jahren sitzen gelassen wurde? Oder irren sich alle und es handelt sich alles um eine Verwechslung? Durch den tagebuchartigen Stil springt die Erzählung stets hin und her und fügt immer noch ein interessantes Detail hinzu, das einem dabei hilft, den Erzähler in seiner Zerrissenheit und Suche nach Identität einen Schritt näherzukommen.

Dieses Buch ist interessant für Leser, die sich für das Spiel mit Identitäten interessieren. Max Frisch setzt sich in seinem Roman „Stiller“ intensiv mit der philosophischen Frage auseinander, wie man leben möchte und inwieweit der Mensch sich irgendwann ganz von allein in einer Rolle wiederfindet, die gar nicht zu ihm passt. Frisch erzählt vom Ausbruch aus festgefahrenen Verhaltensmustern und von der Schwierigkeit, selbstbestimmt zu handeln. „Stiller“ ist ein überaus spannendes, aber auch sehr nachdenkliches Buch, das noch lange nachwirkt. Und: Sind wir nicht alle ein bisschen Stiller?

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