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Die FilmerzählerinInhalt in 3 Sätzen:

Die chilenische Atacama-Wüste bietet ausgesprochen wenig Ablenkung. Eine willkommene Abwechslung ist höchstens das örtliche Kino, das die Bürger einer kleinen Bergbausiedlung zwar in die glamouröse Welt des Films entführt, dessen Besuch sich aber nur die wenigsten leisten können. Die 10-jährige María Margarita kommt auf eine Idee, die ihr schon bald viel Anerkennung einbringen wird – warum nicht einfach Filme nacherzählen und den Leuten auf diese Weise die schöne Welt des Kinos nahebringen?

Lieblingszitat:

„Wir setzten uns in die erste Reihe, fast mit der Nase vor die gewaltige weiße Fläche, zu der ich aufsah wie zum Hochaltar einer Kirche. Die Spannung steigerte sich bis zu dem wunderbaren Moment, wenn die Lichter erloschen, die Tür sich schloss, die Musik verstummte. Und dann füllte sich die Leinwand mit Leben und Bewegung. Mir war, als schwebte ich in der Luft. Es war der Höhepunkt des Zaubers, den das Kino auf mich ausübte. Auf mich und meine Mutter. Heute weiß ich das. Der Unterschied zwischen uns und meinem Vater und meinen Brüdern war, dass das Kino denen nur gefiel. Uns raubte es den Verstand.“

Hernán Rivera Letelier, der in unseren Breitengraden vermutlich nur wenigen ein Begriff sein wird, schafft es von der ersten Seite an, den Leser in den fremden rauen Alltag eines chilenischen Bergbaudorfes zu entführen. Die Protagonistin María Margarita schildert in liebevollem Plauderton von ihrer Sicht auf die Dinge, führt uns ein in ihre Familie, die schon den einen oder anderen Schicksalsschlag erleiden musste: der Vater ist nach einem Unfall schwer gelähmt, die Mutter vor Jahren davongelaufen. María Margaritas Stärke, dies alles so resolut zu meistern, wird mit jeder weiteren Seite beeindruckender. Schon bald bringt sie mit ihrem Talent, Filme sehr anregend und phantasievoll erzählen und das Leinwandgeschehen zum Leben erwecken zu können, viel Freude in das Leben ihrer Mitmenschen. Doch es kommt, wie es kommen muss: Auch in der Atacama-Wüste liegen Momente des Glücks und des Leids immer nah beieinander…

Dieses Buch ist für Leser, die das Kino lieben. „Die Filmerzählerin“ vermag es mit wenigen gewählten Worten die Faszination der Filmwelt auf den Punkt zu bringen. Es ist beeindruckend mit welch erzählerischer Dichte es der Autor schafft, mit wenigen Zeilen so viel auszusagen! Der schmale Erzählband umfasst gerade mal 100 (sehr großzügig bedruckte) Seiten und hat nur einen Fehler: Er ist eindeutig viel zu schnell ausgelesen! Das ist aber auch der einzige Makel, den dieses Buch hat…

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