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Fall Out Girl

Durchsichtige Masken aus Plastik, goldene Glitzerstiefel und schwarze hautenge Leggings – die Protagonisten Fall Out Girl und Bartleby kommen in ihrem Erscheinungsbild sehr schrill und bunt daher. Das Stück „Fall Out Girl“, das in seiner Ankündigung als „Radioaktive Roadshow“ betitelt wird, war nachdem es bereits in Städten wie Berlin, Leipzig, Hamburg, Oldenburg und Dresden Halt gemacht hat, nun gestern Abend auch in Jena zu Besuch.

Radioaktive Roadshow – was also hat man sich darunter vorzustellen? Schon zu Beginn wird man als Zuschauer in eine skurrile Umgebung hineingeschmissen, von verschollenen Comicheften und Blubberstaub ist die Rede. Die Titelfigur erklärt Bartleby, einem ehemaligen Händler für Comics, mit schriller Stimme, dass sie auf der Suche nach ihrem spurlos verschwundenen Freund Peter Parker (also known as „Der Spinnenmann“) ist. Bartleby scheint eher wenig motiviert zu sein, ihr zu helfen. Er möchte lieber auf seinem grünen thüringischen Berg sitzen bleiben und sein Leben fernab der Zivilisation genießen. Ehe man es sich versieht, machen sich die beiden doch gemeinsam auf den Weg, spielen mit ihrer E-Gitarre flotte Rock-Songs und kommunizieren via Videotelefon, dessen Bild auf eine große Pappkarton-Wand auf der Bühne projiziert wird, mit diversen Experten für Radioaktivität. Denn Fall Out Girl begeistert sich stark für verstrahlte Stoffe und eifert ihrem großen Idol Marie Curie nach, die bekanntermaßen bei der Erforschung des radioaktiven Elements Radium ihr Leben lassen musste.

Was sehr durcheinander klingt und sich inhaltlich nur sehr schwer zusammenfassen lässt – ist es leider auch durchgängig! Auf lange Diskussionen zwischen Bartleby und Fall Out Girl folgen schnelle Wechsel der Kostüme, die sich in ihrer Skurrilität immer weiter selbst überbieten, gesungene Rockballaden, weitere Videoprojektionen und grell-bunte Requisiten wie ein übergroßer aufblasbarer Pikachu. Das durchaus gesellschaftskritische Grundthema, Radioaktivität und ihre Folgen für die Menschheit, wird zwar durchgehend angesprochen und untermalt – man spürt den Ernst mit dem der Regisseur auf dieses Problemthema verweisen wollte. Allerdings verschwindet dieses Thema allzu oft hinter klamaukigen Witzen, die einem teils nur ein müdes Lächeln abringen und immer weiteren schrillen Kostümen. Das Stück, das sich als eine Mischung aus Performance, Poptheater und Rockkonzert einordnen lässt, mangelt es an einem roten Faden. Die Szenenfolge ist wenig nachvollziehbar. Warum wird jetzt wieder ein Atom-Experte via Projektion zu Rate gezogen? Warum geben die beiden jetzt und nicht später ein Lied zum Besten?

Die Einzelteile an sich sind zwar teilweise durchaus gelungen. Gerade dem Aspekt, dass zwei (gesanglich begabte) Schauspieler über ganze 90 Minuten alleine die Show schmeißen, Bühnenumbauten selbst vornehmen und dennoch stets ihre gute Form behalten, ist Respekt zu zollen. Das Bühnenbild ist zwar schrill und abgesehen von der Videoprojektion dennoch eher einfach gehalten, aber es enthält viele kreative und innovative Einfälle. Durch seine Schlichtheit ist es zudem ein guter Beweis dafür, dass man auch mit wenig Ausrüstung große Effekte erreichen kann. Der Inhalt des Stücks ist aber hingegen eindeutig zu verworren geraten, sodass man sich als Zuschauer spätestens ab der Mitte des Stückes nur noch überrannt fühlt und sich stellenweise die Frage nach dem Sinn der Performance stellt. Am Schluss schwirrt einem der Kopf vor lauter Absurditäten. Schade um die talentierten Schauspieler. Bei diesem Stück heißt die Devise abschließend wie so oft: weniger ist eben doch mehr.

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