Anna Seghers - TransitInhalt in 3 Sätzen: Der anonyme Ich-Erzähler ist nach seiner Flucht aus einem französischen Arbeitslager mit Müh und Not im von den Nazis besetzten Paris angelangt, wo ihn ein ihm zufällig begegnender Bekannter um einen ungewöhnlichen Gefallen bittet: Er soll einen deutschen Schriftsteller namens Weidel aufsuchen und diesem einen Brief seiner Frau überreichen. Doch zu spät: Dieser hat sich in seinem Hotelzimmer bereits das Leben genommen und nur ein unveröffentlichtes Romanmanuskript und ein mexikanisches Visum zurückgelassen. Der Erzähler flieht weiter nach Marseille, wo er durch einen Zufall auf Weidels Frau trifft, sich in sie verliebt und durch viele glückliche Fügungen zu einem von vielen Flüchtlingen ersehnten Transitvisum gelangt – doch anders als die vielen anderen Transitäre ist er gekommen, um zu bleiben…

Lieblingszitat:

„Ich fühlte in meiner Ansteckung von Transitärwut, in meinem Nebel von Visumbesessenheit, ein Augenpaar auf mich gerichtet. Ich fragte mich, wo ich dem Mann schon einmal begegnet war, der mich jetzt ruhig musterte, da er die anderen Wartenden schon gemustert und augenblicklich nichts Besseres zu tun hatte. […] Wir begrüßten uns nicht. Wir lächelten uns nur spöttisch an, weil jeder von uns sich im klaren darüber war, daß wir wohl oder übel noch hundertmal treffen mußten als Mittransitäre, wodurch unser Leben nun einmal verknüpft war, selbst gegen unsere Neigung und gegen unseren Willen und sogar gegen das Schicksal.“

Der Exilroman „Transit“ verfügt über eine komplexe Struktur, die kunstvoll verschiedenste Handlungsstränge miteinander verbindet. Ein unerbittlicher Kampf nach begehrten Transit-Visen, quälend lange bürokratische Vorgänge, eine dramatische Dreiecksgeschichte und Reflexionen über Liebe und Verrat sind nur einige Elemente, um die Anna Seghers Roman kreist. Schwer in 300 Wörtern zusammenzufassen, daher: Lesen! Es lohnt sich!

Dieses Buch ist für Leser, die sich für nüchterne Prosa mit geschichtlichem Hintergrund begeistern können. Anna Seghers, die 1941 selbst auf der Flucht vor den Nazis in Marseille strandete und monatelang in den nahezu aussichtlosen Kampf um Visen und weitere schwer beschaffbare Bescheinigungen verwickelt war, ist ohne Frage stark biographisch gefärbt. Darüber hinaus erzählt „Transit“ jedoch auch von der Suche nach Identität, von Heimatlosigkeit und der Rolle des Schriftstellers in einer sich durch politische Umstände verändernden Welt.