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Max Frisch

Max Frisch (* 1911 in Zürich, † 1991 in Zürich)

Max Frischs Weg zur Schriftstellerei war kein geradliniger. Nach einem abgebrochenen Germanistik-Studium und einem darauf folgenden abgeschlossenen Architekturstudium arbeitete er einige Jahre als Architekt. Erst nach dem großen literarischen Erfolg, den er mit dem Roman „Stiller“ feiern konnte, entschloss er sich endgültig gegen eine bürgerliche Existenz und für das Schriftstellerdasein. Viele erfolgreiche Romane wie „Homo Faber“ und „Mein Name sei Gantenbein“, sowie Dramen wie „Biedermann und die Brandstifter“ und „Andorra“ machten ihn zu einem weltweit anerkannten Autor, dessen Werk bis heute in bis zu 25 Sprachen übersetzt worden ist.

Seine Werke, allen voran die großen drei Romane („Stiller“, „Homo Faber“, „Mein Name sei Gantenbein“) drehen sich vor allem um die Suche nach Identität und die Frage, inwieweit eigene Erlebnisse und Erfahrungen überhaupt mit dem Mittel der Sprache geschildert werden können. Frischs Protagonisten sind oft dabei, ihr eigenes Leben in Frage zu stellen und ihre eigene Biografie als reine Konstruktion zu entlarven. In „Mein Name sei Gantenbein“ heißt es etwa: „Ein Mann hat eine Erfahrung gemacht, jetzt sucht er die Geschichte seiner Erfahrung.“ Dies weist sehr treffend auf die Schwierigkeit hin, eigene Erlebnisse zu Papier zu bringen oder in Worten zu formulieren, ohne Beschönigungen vorzunehmen.

Desweiteren beschäftigte sich Frisch auch mit dem Tagebuch als literarischer Ausdrucksform, in der sich Fiktion und Wirklichkeit in skizzenhafter Art und Weise miteinander vermischen. Berühmt geworden sind vor allem Frischs Fragebögen, in denen er den Leser dazu einlädt, sich zwar mit sehr unbequemen, aber durchaus erkenntnisbringenden Fragen zu Themen wie Freundschaft, Tod, Hoffnung und Heimat auseinanderzusetzen.

Frisch Schreibstil ist meist knapp und lakonisch gehalten. Romane wie „Stiller“ und „Mein Name sei Gantenbein“ zeichnen sich durch einen fragmentarischen, episodenhaften Charakter aus, wodurch Frisch gezielt mit traditionellen Stilprinzipien des Roman-Genres bricht. Der recht simple, schmucklose Stil sollte aber keineswegs nahelegen, dass sich seine Werke in thematischer Sicht leicht fassen ließen: Frischs Spezialität sind nachdenklich stimmende, über Leben und Kunst reflektierende Werke, die noch lange nachwirken.

O-Ton:

„Warum ich Schriftsteller bin? Weil Schreiben noch eher gelingt als Leben, und weil für diesen Versuch, das Leben schreibend zu bestehen, der Feierabend nicht ausreicht.“

Und sonst so?

Über den Menschen Max Frisch wurde nicht immer nur positiv gesprochen. Vor allem seine zahlreichen Frauengeschichten und sein chauvinistisches Verhalten seinen Liebhaberinnen gegenüber wurden in der Öffentlichkeit nicht gut geheißen. Als besonders kompliziert gilt die Beziehung zu der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann, die von Untreue und heftigen Eifersuchtsanfällen begleitet wurde. Das Beziehungsende nach 5 Jahren hatte aber immerhin ein Gutes: Bachmann schrieb „Malina“, Frisch „Mein Name sei Gantenbein“, womit beide ihre Erfahrungen zu Literatur machten.

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