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in_zeiten_des_abnehmenden_lichtsInhalt in 3 Sätzen: 4 Generationen einer Familie, eine Vielzahl an Episoden des Lebens, die alle mehr oder weniger mit dem politischen System des Kommunismus verwoben sind. Da sind die aus dem mexikanischen Exil wieder gekehrten Urgroßeltern, die eine tiefe Überzeugung gegenüber den sozialistischen Ideologien pflegten ebenso wie der Enkel, der nur noch das Scheitern der DDR und den Mauerfall mitbekam. Eugen Ruges Roman erzählt vom Verfall von einst mit Inbrunst verteidigten Idealen, von verlorenen Träumen und dem Verlust von Stabilität in Zeiten des abnehmenden Lichts, in denen die Strahlkraft des Sozialismus nahezu gänzlich verblasst ist.

Lieblingszitat:

„Im Nu herrschte eine Stimmung wie auf einer FDJ-Delegiertenkonferenz (obwohl Kurt, offen gestanden, nie auf einer FDJ-Delegiertenkonferenz gewesen war), und weil im Refrain des Liedes jede Zeile mit wot kak, wot kak – Hört nur, hört nur – begann, glaubten die Leute zu verstehen, dass es sich um ein russisches Sauflied handelte, und brüllten im Chor: Wodka, Wodka!, Und begannen sogar bei Wodka, Wodka rhythmisch zu klatschen. […] Wie ein Stein saß er inmitten der Geburtstagsgesellschaft. Alles schaukelte plötzlich. […] – Ich glaube, sagte Kurt, ich sollte dir mitteilen, dass Sascha im Westen ist.“

Unterhaltsam und humorvoll entwirft Eugen Ruge ein vielschichtiges Porträt einer Familie. Der Montageroman ist in verschiedene Episoden, Handlungsstränge und Perspektiven aufgeteilt. Diese einzelnen Fäden verbindet Ruge kunstvoll miteinander. Immer wieder kommt ein anderes Familienmitglied zu Wort, berichtet von seiner persönlichen Einschätzung einer bestimmten Situation, was nicht selten dazu führt, das Dargestellte noch besser fassen zu können. Denn das weiß wohl jeder aus eigener Erfahrung: wie sehr einzelne Sichtweisen – gerade in einer Familie – auseinander driften können.

Dieses Buch ist für Leser, die sich für authentisch geschriebene Romane über die jüngere deutsche Geschichte interessieren. Der Klappentext und die Betitelung als „DDR-Buddenbrooks-Roman“ sollten einen nicht abschrecken (ich selbst kämpfe schon seit längerem erfolglos mit der Buddenbrooks-Lektüre). Trotz der vielen Figuren verliert man nie den Überblick, da jeder sehr charakteristisch beschrieben wird. Die vielen Zeitsprünge und das Wechseln der Perspektive geben der Erzählung viel Schwung und der Roman bleibt trotz einiger politischer Diskurse stets spannend und lebensnah.

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