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Annemarie Schwarzenbach - Eine Frau zu sehenIch liebe ja diese kleinen hellblauen Büchlein vom Verlag Kein & Aber. So war auch meine zufällige Begegnung mit Eine Frau zu sehen von Annemarie Schwarzenbach im Buchladen wieder eine Liebe auf den ersten Blick! Die Schweizer Autorin erzählt in dieser kurzen Erzählung mit einer beeindruckenden poetischen Sprache von einem schicksalshaften Ski-Urlaub, während dem sie ihre Zuneigung zu Frauen entdeckte. Homosexualität – ein Tabuthema in der Gesellschaft der späten 1920er Jahre! Dieser Text ist nicht nur sehr persönlich, auch wird beim Lesen der enorme Mut der Autorin deutlich, sich über die moralischen Urteile ihrer eigenen Zeit hinwegzusetzen und ihre intimen Gefühle auf solche Weise der Öffentlichkeit preiszugeben. Wie Schwarzenbach als damals gerade mal 21-jährige (!) die Anziehung zwischen zwei Menschen beschreibt: Hut ab! Die Erzählung besteht zwar nur aus etwa 50 kurzen Seiten, sprachlich ist sie aber derart treffend und kraftvoll ausgedrückt, dass man das Gefühl nicht loswird: dieses Buch muss man noch öfter lesen, um es in seiner Tiefe wirklich erfassen zu können.

Wilhelm Genazino - Eine Frau, eine Wohnung, ein RomanEine Frau, eine Wohnung, ein Roman – der Titel sagt eigentlich schon alles, worum es hier geht! Wilhelm Genazino erzählt von einem jungen Mann, der in den 1960er Jahren auf der Suche nach sich selbst ist. Er ist ein großer Literaturliebhaber, ein Träumer, die Schule hat er abgebrochen – doch was anfangen mit dem Leben? Über kleine Umwege gelangt er zum Schreiben, lernt die nicht sehr glamouröse Welt des Lokaljournalismus kennen, trifft auf Künstler und Pseudo-Intellektuelle, die alle vorgeben, gerade an einem Roman zu schreiben – und es wahrscheinlich nie fertig bringen werden. Auf leichtfüßige Art schildert der Roman den manchmal doch steinigen Weg zum Erwachsenwerden und die schwierige Suche nach persönlicher Erfüllung. Mit ironischem Blick fängt der Roman die Atmosphäre der 60er Jahre ein und teilt Seitenhiebe gegen die nur scheinbar glanzvolle Welt des Künstlertums und Journalismus aus. Nicht zuletzt ist der Roman eine Liebeserklärung an die Literatur und das Schreiben – und eine Erinnerung daran, dass man sich gerade als junger Mensch immer selbst treu bleiben sollte.

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