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John von Düffel: WassererzählungenInhalt in 3 Sätzen: Faszination Wasser – in John von Düffel Erzählungen spielt es in ganz vielfältiger Weise eine Rolle. Ob ein Vater mit seiner kleinen Tochter eine abstruse Kreuzfahrt durch Nordeuropa macht oder eine junge Frau von einem japanischen Stararchitekten ein fragwürdiges Jobangebot bekommt – auf sehr kunstvolle und teils sehr erfrischende Art und Weise bezieht der Autor immer wieder das Wasser-Motiv in die Handlung mit ein. 11 Erzählungen, die den Leser durch seine bildreiche Sprache in den Bann ziehen.

Lieblingszitat: „Das Wasser an einem Wintertag. Der Himmel über der See ist hauchblau. Eine Bläue, die allen Dunst und Nebel, die Wolken und Schwaden in sich aufgesogen und verwandelt hat in einen Reifatem, der die Sonne blass macht, eine gefrorene Scheibe aus Licht. Der strohige Bewuchs der Dünen ist frosttrocken und knistert, wenn er unter Schritten zerbricht, der Sand hart wie Stein, eine Mondkruste, und wenn man Luft holt, ist es, als hätte man die ganze Nacht mit offenen Mund geschlafen.“ (aus: Ostsee)

Ich hätte selbst vor der Lektüre dieses Buches nicht gedacht, wie abwechslungsreich John von Düffel schreiben kann. Jede Erzählung ist auf ihre Art interessant und entführt den Leser in die Gefühls- und Gedankenwelt einer anderen Hauptfigur. Das Wasser, mal in Form eines Dauerregens, mal in Form eines verwaisten Gartenteiches, ist oft handlungstragendes Element, in einigen Erzählungen jedoch auch lediglich ein stilistisches Mittel, um die Gefühlslage einer Figur zu verdeutlichen. Sicher gibt es unter den insgesamt 11 Erzählungen Geschichten, die mich mehr bewegt haben, andere waren angenehm zu lesen, haben aber nur wenig einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Besonders gelungen finde ich so zum Beispiel die erste Erzählung „Ostsee“, die mich durch ihre präzise pointierte Sprache sofort zum Weiterlesen bewegt hat. Bei Erzählungen wie „Das permanente Wanken und Schwanken von eigentlich allem“ musste ich durchaus auch mal schmunzeln. In dialogischer Form berichtet hier ein Vater von seinen skurrilen Erlebnissen auf einem Kreuzfahrtschiff, auf dem zwischen „Kids-Dinners“, Tanzabenden und anstrengenden Reiseteilnehmern wenig Raum für Entspannung bleibt. Insgesamt sind Düffels Wassererzählungen sehr kurzweilig und laden mal mehr, mal weniger dazu ein, seine eigenen Schlüsse aus dem Gelesenen zu ziehen.

Dieses Buch ist für alle Leser, die sich für gut geschriebene Kurzgeschichten begeistern. Düffel ist ein großer Sprachkünstler, der es auf immer wieder anregende Weise schafft, Menschen in Alltags- und Ausnahmesituationen zu porträtieren. Mal melancholisch und tiefgründig – mal amüsant und leichtfüßig.

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