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Was gibt es Schöneres, als einen verregneten Sommertag zum Lesen zu nutzen? Meine derzeitige Lieblingslektüre: die rund 460 Seiten starke Truman-Capote-Biographie des amerikanischen Journalisten George Plimpton. Was sein Buch vor allem so interessant macht, ist seine besondere Herangehensweise, um einen der bedeutendsten Literaten des 20. Jahrhunderts zu porträtieren. Statt einfach Quellen zu sammeln und diese chronologisch in einem flüssigen Text herunterzuschreiben, besteht die Biographie aus einzelnen Interview-Auszügen ganz unterschiedlicher Weggefährten, Freunde und Feinde Capotes. Dies ermöglicht ein viel umfangreicheres Bild dieser schillernden Persönlichkeit. Immer wieder ist da die Rede von seinen Eskapaden, seinem Hang zur Selbstinszenierung, gleichzeitig lassen enge Vertraute jedoch auch Capotes Verletzlichkeit durchscheinen. Am lustigsten wird die Biographie eigentlich immer dann, wenn bestimmte Ereignisse aus seinem Leben aus den unterschiedlichsten Perspektiven betrachtet werden. Wie das bei Klatsch und Tratsch ja immer so ist, kann man sich natürlich nie sicher sein, wie viel Wahrheit, wie viel Neid und Missgunst in den Aussagen der interviewten Künstler, Journalisten, Literaten und anderen Personen aus Capotes Leben steckt.

Ich bin noch mittendrin in der Lektüre und kann bisher nur sagen: eine sehr gut durchkomponierte Biographie, die aus vielen kleinen Puzzlestückchen ein faszierendes Porträt zeichnet. Selbst eingefleischte Capote-Kenner werden hier noch die eine oder andere neue amüsante Anekdote lesen. Ein tolles Buch zum Schmökern.

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