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Der literarische Jahresrückblick, der in meinem Blog schon zu einer kleinen Tradition geworden ist: Es ist wieder soweit, hier ist er wieder! Wie bereits in den letzten Jahren möchte ich auch jetzt wieder auf die Highlights (und Flops) meines Lesejahres zurückblicken.
Zuerst einmal ist mir gerade bei meinem kleinen Fotoshooting eines aufgefallen: Ich habe dieses Jahr 17 Bücher gelesen. Da werden zwar einige andere Buchblogger wohl nur müde lächeln 😉 Allerdings war mein Jahr insgesamt auch sehr turbulent und bis auf meine tägliche Lesestunde auf dem Weg zur Arbeit habe ich in meiner Freizeit eher wenig gelesen. Muss sagen, dass mich diese ganzen Bücher auf einem Haufen dann doch eher überrascht haben. „Was, so viel hab ich tatsächlich gelesen?!“ Und dann fällt mir noch auf, dass ich mich dieses Jahr auch einigen sehr wuchtigen Büchern gewidmet habe…entweder was die Seiten oder den Inhalt angeht. Wie auch immer, hier ist meine Lektüre 2016 auf einem Blick:

Lesen 2016 - Diese Bücher habe ich dieses Jahr gelesen

Lesen 2016 – Diese Bücher habe ich dieses Jahr gelesen

2016 – Ein Capote-Jahr

Dann ist mir noch was aufgefallen. Dieses Jahr war ohne Zweifel ein Capote-Jahr. Lange hat mich mein Lieblingsschriftsteller nicht mehr so ein Beschlag genommen wie 2016: Am Beginn des Jahres las ich seine Jugenderzählungen „Wo die Welt anfängt„, im Sommer ging es dann richtig los: erst habe ich die George-Plimpton-Biografie zum Geburtstag bekommen, dann noch antiquarisch „Truman Capote: Ein intimes Gespräch“ erhalten und verschlungen, schließlich folgte das Highlight: Ich habe endlich „In Cold Blood“ gelesen! Warum hab ich das nicht schon viel früher gemacht? Ein geniales Buch, das berührt und sich der menschlichen Psyche nähert ohne rührselig zu sein oder die Moralkeule zu schwingen.

Meine Top 3

Top 1: Truman Capote – In Cold Blood
In Cold BloodEs kann gar nicht anders sein, der erste Platz geht diesmal ganz klar an Truman Capote. Wie er sich an das sensibles Thema der Ermordung einer amerikanischen Familie und die anschließende Aufklärung des Falls herantastet und Täter, Opfer und sonstige Beteiligte in den Fokus rückt, hat mich schwer beeindruckt. Auch sprachlich (ich hab den Roman sogar extra im Original gelesen) ist „In Cold Blood“ eine Meisterleistung, in der sich Capotes ganzes literarisches Talent offenbart.

Zur ausführlichen Rezension geht’s hier entlang.

Top 2: Karl Ove Knausgard – Lieben
Lieben von Karl Ove KnausgardZugegeben, ich stecke noch im letzten Viertel dieses Buches, kann aber bisher eindeutig sagen, dass sich die Lektüre lohnt. Karl Ove Knausgards Romanzyklus, zu dem auch Bücher wie „Sterben“, „Spielen“, „Leben“ und „Träumen“ zählen, ist ja schon länger im Gespräch – und das völlig zu Recht. Wie der Autor im zweiten Teil „Lieben“ über sein Leben, sein Schreiben und die moderne Gesellschaft reflektiert, ist überaus faszinierend und überhaupt nicht langatmig – wie man das bei einer Romanlänge von rund 700 Seiten ja befürchten könnte. Bis spätestens Weihnachten werde ich „Lieben“ wohl fertig gelesen haben, bald dann mehr darüber 🙂

Top 3: Michel Houellebecq – Unterwerfung
Michel Houellebecq: UnterwerfungUnterwerfung“ war definitiv dieses Jahr auch ein Buch, das mich gedanklich eine Weile beschäftigt hat und somit auf einem verdienten dritten Platz landet. Houellebecqs Zukunftsvision von einer französischen Gesellschaft, die sich zunehmend dem Islam zuwendet, ist gut recherchiert und eröffnet dem Leser einen tiefgründigen Einblick sowohl in die Kultur-, Literatur- und Geistesgeschichte, als auch in die private Gedankenwelt eines recht durchschnittlichen Bürgers aus dem akademischen Milieu. Viel Stoff zum Nachdenken und wahnsinnig aktuell. Hier geht’s zur ausführlichen Rezension.

Lieblingsbuchcover: Wassererzählungen / Des Tauchers leere Kleider

John von Düffel: WassererzählungenDes Tauchers leere Kleider

Witzig zu sehen, dass mich in diesem Jahr anscheinend maritime Buchcover angesprochen haben 😉 Sowohl auf John von Düffels „Wassererzählungen“ als auch auf Vendela Vidas „Des Tauchers leere Kleider“ ist eine im Pool oder Meer schwimmende Frau zu sehen. Ich kann ja immer nur wieder betonen, dass ich im Buchladen eine typische Kundin bin, die auf schön gestaltete Cover einfach anspringt. Diese beiden Bücher haben mich jedoch auch inhaltlich nicht enttäuscht. „Wassererzählungen“ vereint 11 bildgewaltige Erzählungen rund um das Element Wasser. „Des Tauchers leere Kleider“ berichtet von einer jungen Frau und ihrer aufregenden Suche nach der eigenen Identität.

Einen Autor, den ich im Auge behalten werde:

Peter Stamm

Peter StammPeter Stamm - Nacht ist der Tag

 

 

 

 

 

 

Peter Stamms kleinen aber feinen Erzählungsband „Seerücken“ hatte ich ja schon länger im Regal stehen. Nachdem ich sonst immer nur kurz reingelesen hatte, kam er dieses Jahr endlich zu Ehren. Sprachlich schlicht berichtet Stamm mit viel Einfühlungsvermögen von Paaren, die sich immer weiter voneinander entfernen, von unerfüllten Lebensträumen und Grenzerfahrungen. Auch sein Roman „Nacht ist der Tag“ schafft es, feine Zwischentöne einzufangen und mit wenig Worten und eindrücklichen Bildern vermeintlich Unspektuläres große Bedeutung zu verleihen. Diesen fasznierenden Schweizer Autor schreibe ich definitiv auf meine Leseliste.

Lieblingsklassiker: Kurt Tucholsky – Schloss Gripsholm

Schloss GripsholmBisher hatte ich Kurt Tucholsky eher wenig auf dem Schirm. Durch Zufall bin ich bei Spotify jedoch auf das Hörbuch von „Schloss Gripsholm“ gestoßen, gelesen von Alexis Krüger. Wirklich eine sehr schön geschriebene Sommererzählung, die sprachlich nur vor originellen Einfällen sprüht und mir mehr als einen kalten Dezemberabend versüßt hat. Entspannt auf dem Sofa sitzen, Tee trinken und in das ferne sommerliche Schweden reisen – wirklich eine tolle Sache. Überhaupt sollte ich wieder viel öfter ein Hörbuch hören. Irgendwelche Tipps?

Ich bin nicht warm geworden mit…

Edith Pearlman - HoneydewIch erwähnte ja schon, dass ich im Buchladen oft auf schöne Buchcover anspringe. Man kann damit auch auf die Nase fallen 😉 So verliebte ich mich im Buchladen gleich in das tolle Aussehen von Edith Pearlmans „Honeydew“. Samtig, blau, glänzende Schrift, herrlich. Aber der Inhalt..nun ja. Die Erzählungen sind sprachlich durchaus interessant, aber blieben mir inhaltlich verschlossen. „Worauf will die Autorin hinaus? Wie, die Erzählung ist schon zuende? Aber es doch noch gar nichts passiert.“ So in etwa meine Gedanken bei der Lektüre. Schade. Vielleicht eine Lehre für mich, mich künftig nicht nur von der schönen Oberfläche blenden zu lassen 😉

Wunschliste für’s neue Jahr

Gute Frage, aber diese Bücher stehen auf der Liste der Titel, die ich möglicherweise nächste Jahr lese. Bei ein paar lauer ich auch noch darauf, dass es als Taschenbuch rauskommt 😉

Karl Ove Knausgart - SterbenDie Welt im RückenAuferstehung von Tolstoi

Wie war Euer Lesejahr 2016? Was waren Eure Highlights und Flops? Ich freue mich über Eure Einblicke und Anregungen 🙂

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