Kino: Finding Vivian Maier

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Finding Vivian Maier

Manchmal schreibt das Leben wirklich die besten Geschichten. Die Entdeckung der Fotografien der bis dahin unbekannten Vivian Maier ist eine solche, die es wirklich wert ist, erzählt zu werden. 2007 ersteigert der junge Hobby-Historiker John Maloof auf einer Auktion eine Kiste mit Negativen. Als er die Bilder genauer betrachtet, wird ihm klar: hier hat er einen wirklichen Fund gemacht!

“Finding Vivian Maier” begibt sich auf Spurensuche nach einer großen Fotografin, die nur doch einen Zufall entdeckt wurde und zeichnet ein faszinierendes Porträt einer Künstlerin, die zeit ihres Lebens ihre fotografische Leidenschaft geheim hielt.

Hier geht’s zur Rezension im Farbfilmblog!

Literatur in 300 Wörtern (18): Luigi Pirandello – Una giornata / Wie ein Tag

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Luigi Pirandello - Una giornata - Wie ein TagInhalt in 3 Sätzen: Ein Erzähler, der in Sommererinnerungen schwelgt, aber nicht mehr recht zwischen Traum und Realität unterscheiden kann; ein Mann, der eines Morgens an einem unbekannten Bahnhof in einer fremden Stadt aufwacht und sich an nichts erinnern kann; oder ein sizilianischer Bauernjunge, der aus einem Affekt heraus zum Mörder wird: In dieser zweisprachigen Ausgabe des berühmten sizilianischen Erzählers Luigi Pirandello sind einige seiner sprachgewaltigen und oft dem Mystischen nicht fernen Novellen versammelt.

Lieblingszitat: “In diesem Garten, an diesem Morgen glühten die jüngsten und schönsten Frauen vor Freude. […] Gerade im Frühling, Augenblicke der Verzückung, in der milden Wärme der ersten berauschenden Sonne, wenn in der feuchten Luft noch unbestimmte feine Düfte gären und der Glanz neuen Grüns, das die Wiesen überflutet, so reizend lebendig in den Bäumen ringsum glitzert; seltsame helle Klangfäden umgarnen einen; plötzliche Lichtexplosionen machen benommen; flüchtiges Aufblitzen, ein glückliches sich ausbreitendes Schwindelgefühl; die Süße des Lebens scheint nicht mehr wirklich, nicht mehr beachtenswert, wenn man sich dann im Schatten, nachdem diese Sonne erloschen ist, an das erinnert, was man getan und gesagt hat.”

Pirandello, Nobelpreisträger und Vorzeige-Literat Siziliens, beschäftigt sich in den vorliegenden Novellen vor allem mit dem Verhältnis von Schein und Sein, der Frage nach Wahrheit und Identität und webt dabei immer wieder surreale Elemente ein. Die oft stark an Dialoge angelehnte Sprache lässt seine langjährige Theatererfahrung erkennen. Zudem erinnert die Art und Weise, wie seine Erzählungen zunächst keine klare Schlussfolgerung zulassen und den Leser zu einer eigenen Interpretation anregen, stark an Autoren der Moderne wie Franz Kafka oder Arthur Schnitzler.

Dieses Buch ist für Leser, die sich für sizilianische Literatur, Traumwelten und natürlich auch für die ungemein musikalische italienische Sprache begeistern. Auch wenn die Italienisch-Kenntnisse noch nicht ausreichen sollten, um Pirandellos recht komplexe Literatur in der italienischen Fassung zu lesen, lohnt es sehr immer wieder einen Blick auf den Originaltext zu werfen und sich von den zahlreichen Wortspielen und Bildern beflügeln zu lassen. Eine gelungene Zusammenstellung, perfekt für den (Pirandello)-Einstieg geeignet.

Literatur in 300 Wörtern (17): Yasmina Reza – Glücklich die Glücklichen

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Yasmina Reza - Glücklich die GlücklichenInhalt in 3 Sätzen: Ein Ehepaar im Supermarkt, das sich über Banalitäten wie die Wahl der richtigen Käsesorte streitet, aber auch Familien, Liebhaber und Einzelgänger, die auf den ersten Blick glücklich zu sein scheinen, es aber in Wahrheit nicht sind. Yasmina Reza greift in ihrem neuen Buch erneut ihr Lieblingsthema auf: die Fassadenhaftigkeit, die im Alltag und in zwischenmenschlichen Beziehungen an jeder Ecke lauert – nichts ist, wie es scheint. Sie lässt in jedem Kapitel eine andere Figur zu Wort kommen, welche jeweils ihre Sichtweise auf sich selbst und die Heuchelei anderer formuliert.

Lieblingszitat: Gut, bist du jetzt fertig mit Einkaufen?, sag ich zu Odile und schiebe mit einem abrupten Stoß den Einkaufswagen vorwärts, sonst brauchen wir keinen Mist mehr? – Wie redest du mit mir! Ist dir klar, wie du mit mir redest! Ich sage, geh weiter. Los! Nichts ärgert mich mehr als diese plötzliche Beleidigtheit, wenn alles stehenbleibt, alles erstarrt. Natürlich könnte ich sagen, Entschuldige bitte. Nicht einmal, ich müsste es zweimal sagen, im passenden Tonfall. Wenn ich zweimal im passenden Tonfall Entschuldige bitte sagen würde, könnten wir mehr oder weniger normal in den restlichen Tag starten, nur habe ich überhaupt keine Lust, diese Worte auszusprechen, es ist mir physiologisch unmöglich, wenn sie mitten im Gang mit den Gewürzen stehenbleibt, vor Entrüstung und Unglück entgeistert.”

Wie bereits in ihrem berühmten Theaterstück “Der Gott des Gemetzels” sind es in Rezas Roman oft die kleinen Worte und die alltäglichen Trivialitäten, die aufgestaute Aggressionen und unterdrückte Gefühle an die Oberfläche bringen. In den insgesamt 21 knappen Episoden merkt man deutlich die Theatererfahrung der Autorin, sodass das Geschilderte insgesamt sehr lebensnah und anschaulich wirkt. Auch wenn man sich an den dialogartigen Schreibstil und den ständigen Wechsel der Figurenperspektive gewöhnen muss, beginnen sich die einzelnen Lebensgeschichten der Figuren mit der weiteren Lektüre immer mehr zu überschneiden und das große, unentwirrbare Puzzle der Unglücklichen fügt sich nach und nach zu einem großen Gesamtbild zusammen.

Dieses Buch ist für Leser, die sich für lebendige Kurzprosa und die psychologischen Abgründe von Menschen wie du und ich interessieren. Sicher bricht Yasmina Reza in ihrem Werk den Glücksbegriff wieder stark herunter und lässt ihre Figuren (allesamt aus dem bürgerlich kultivierten Milieu, Stichwort: Luxusprobleme?) sehr drastisch in ihrem Selbstmitleid suhlen. Lesenswert ist “Glücklich die Glücklichen” aber allemal.

Fotografen im Fokus (3): André Kertész

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Ich weiß, ich weiß. In diesem Blog herrscht seit längerer Zeit Stille. Nun möchte ich allerdings zu einem Wiederbelebungsversuch ansetzen…und einfach mal wieder die beliebte Serie “Fotografen im Fokus” mit einem Beitrag zu einem von mir sehr geschätzten Fotografen fortführen! Viel Spaß beim Lesen und Gucken :)

Allgemeines

André Kertész (* 1894 in Budapest, † 1985 in New York) gilt vor allem durch seine eindrucksvollen André KertészParisaufnahmen bis heute als stilbildendes Vorbild der Fotografiegeschichte. Aufgewachsen in Ungarn entdeckte er bereits während des 1. Weltkriegs seine Begeisterung für die Fotografie, bevor er dann Mitte der 1920er Jahre nach Paris zog, seine eigentliche Karriere als Fotojournalist begann und seine Aufnahmen in diversen Zeitschriften veröffentlichte.

Seine wohl glücklichste Lebensphase in Paris wurde jedoch bald durch die Besatzungszeit beendet, sodass er 1936 aufgrund seiner jüdischen Herkunft nach New York fliehen musste. Anders als in Europa stieß er dort mit seinen Fotografien auf Unverständnis und Ablehnung und konnte nur schwer an seine bisherigen Erfolge anknüpfen. Bis zu seinem Tod blieb Kertèsz‘ Verhältnis zu seiner neuen Wahlheimat zwiespältig.

Werk

Kertész‘ Werke zeichnen sich durch ihre beeindruckend sorgfältige Bildkomposition aus. Spiel mit geometrischen Strukturen, Perspektiven und einheitlichen Mustern: Das Betrachten seiner Fotos ist ein Genuss! Vor allem in einem seiner Hauptwerke, dem Fotobuch „Day of Paris“ von 1945, schafft er es, die französische Hauptstadt einmal von seiner poetischen Seite zu zeigen, fernab der üblichen Touristenmotive, mit denen der Betrachter normalerweise konfrontiert wird. Er flaniert durch das Künstlerviertel Montparnasse, porträtiert (Straßen)künstler, Studenten und Alltagsstraßenszenen – und über allem schwebt die besondere Melancholie der 1920er/30er Jahre. Man spürt in seinen Fotos förmlich die Liebe zu dieser Stadt, in der er selbst viele Jahre sowohl seine künstlerische als auch seine persönliche Heimat gefunden hat. „Chapeau! Auf nach Paris!“, kann es nach dem Bestaunen seiner Fotografien eigentlich nur noch heißen…Mein Bahnticket ist jedenfalls schon gebucht ;)

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Aus dem Alltag einer Literaturstudentin (3)

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Halbwegs mit beiden Beinen und dem Kopf wieder in Deutschland angekommen, tue ich mich leider im Moment etwas schwer mit dem Bloggen. Eingewöhnen und sich vor allem wieder durch das doch sehr verschiedene deutsche Universitätssystem zu wursteln, dauerte doch länger als gedacht. Da es aber ja immer ganz hilfreich ist, sich bei kleineren Blog-Schreibblockaden einfach an bestehenden Traditionen entlang zu hangeln, kommen heute wieder mal – pünktlich zum neuen Semester in Jena – zum bereits dritten Mal Gedanken und Notizen aus dem Alltag einer Literaturstudentin.

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1. Einmal quer durch die europäische Literatur: Don Juan

Bei all den spanischen Erasmus-Studenten in Messina hatte ich ja eigentlich 5 Monate lang Zeit genug, das Wesen des Frauenschwarms zu erforschen – nun mache ich es nun also auch in literaturwissenschaftlicher Hinsicht ;) Aber Spaß beiseite…das angebotene Don-Juan-Seminar weckte schnell mein Interesse und sich einmal mit einem der beliebtesten Stoffe der europäischen Literaturgeschichte zu beschäftigen – so mein Gedanke – könnte doch bestimmt nicht schaden. So lese ich mich also mittlerweile durch die wilden Verführungsversuche des heißblütigen Spaniers, dem durch seinen unwiderstehlichen Charme alle Frauen zu Füßen liegen.

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Filmstill aus Viscontis Romanverfilmung “Il Gattopardo”

2. Cinema Siciliano

Und dann: Was für ein Zufall! Oder ist es etwa Schicksal, dass ausgerechnet in diesem Semester zwei Sizilien-Seminare angeboten werden? Ich, immer noch schwer nostalgisch, laufend in sizilianischen Sphären schwelgend, konnte es nicht fassen und belegte kurzerhand beide Kurse! In der Romanistik sind die Seminare sowieso chronisch unterbelegt, da freuten sich die Profs doch sicher über ein vor Sizilien-Liebe nur so strahlendes neues Gesicht. Einer der Kurse beschäftigt sich mit dem sizilianischen Kino, so dass ich jetzt jede Woche für einige Stunden wenigstens in filmischer Hinsicht auf die Insel meiner Sehnsüchte zurückkehren kann. Alles zum Glück im Original mit Untertiteln (die ich immer noch schwer nötig habe..denn ich habe den nahezu unverständlichen sizilianischen Dialekt ja am eigenen Leib erfahren und weiß, wovon ich spreche ;))

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3. Creative Writing

Ich schreibe ja wirklich gern, leider ist es aber auch ein Hobby, das ich – abgesehen vom Bloggen – privat kaum noch pflege. Die Gelegenheit, dies wieder zu ändern, kam nun durch die Möglichkeit, einen Creative-Writing-Kurs an der Uni zu belegen. Das Meiste am Schreiben ist schließlich Handwerk und Übung, umso besser wenn man jede Woche einen Kurs hat, indem einem ein bisschen auf die Sprünge geholfen wird. Mal sehn, was dort in den nächsten Monaten so zustande kommt. Endlich mal wieder kreativ sein, einfach so, just for fun.

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4. André Kertész

Auch die Fotografie darf in diesem Semester natürlich nicht zu kurz kommen. Belegt habe ich daher den Kurs “Paris im Fotobuch”, in denen zahlreiche Bildbände, die die französische Metropole zum Thema haben, besprochen werden. André Kertész, einer der Fotografen, den ich sehr schätze, ist auch mit dabei und ich werde mich ausführlich mit seinem Werk “Day of Paris” von 1945 auseinandersetzen. Auch darauf freu ich mich schon sehr. Besonders, weil es im August heißt…

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5. Paris, ich komme!

Die diesjährige Exkursion der Kunstwissenschaftler geht nach Paris – und ich habe einen der begehrten Plätze ergattert! Juhu! Auch wenn ich mir schon jetzt bewusst bin, dass diese Reise sicher kein Spaziergang werden wird, sondern ein einziger Kunst-Kultur-Marathon! Das Programm ist von morgens bis abends vollgepackt mit Besichtigungen und Ausstellungsbesuchen – aber war ja irgendwie auch abzusehen. Paris ist und bleibt wohl einfach eine der bedeutendsten Kulturstädte Europas! Wird bestimmt eine spannende Exkursion – und wie gut, dass gerade Kunstgalerien immer sehr gut klimatisiert sind. Praktisch, vor allem im Hochsommer! ;)

Somit sehe ich also auf ein sicher erkenntnisreiches und abwechslungsreiches Semester. Bald klappt es hoffentlich auch wieder mit dem etwas regelmäßigeren Bloggen – Inspiration, bitte melden. Ich brauche dich.

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