Auf Reisen: Hopp Schwiiz! (2)

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Erstmal vielen Dank für die vielen Likes, die mein letzter Schweiz-Beitrag bekommen hat. Ich fackele daher auch nicht lange und setze meine Foto-Serie jetzt fort. Wo war ich stehengeblieben? Achja. Appenzell.

Der Ort Appenzell ist entspannt, gemütlich, eben echt schweizerisch. Hier laufen die Uhren langsamer. Aber der Schweizer gilt ja allgemein eher als jemand, der sich nicht wirklich aus der Ruhe bringen lässt. Eine Charaktereigenschaft, von der ich mir bestimmt noch eine Scheibe abschneiden kann ;) Aber auch der Tourismus hat in Appenzell ohne Frage seine Spuren hinterlassen. Neben besagten Bäckereien, in denen es die beliebte Lebkuchen-Leckerei namens “Bärli Biberli” in allen Größen und Ausformungen gibt, reihen sich Souvenirläden, Käseläden und Metzgereien. Feinschmecker können hier auf jeden Fall sehr glücklich werden. Natürlich sind diese ganzen Delikatessen wie alles in der Schweiz nicht so günstig, aber es lohnt sich. Aber ich lasse an dieser Stelle einfach mal ein paar Bilder sprechen. Ein paar Eindrücke aus der Appenzeller Altstadt:

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Schöne Buchhandlungen gibt’s auch… :)

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Tja, und sehr aufschlussreich war auch dieser Wäsche/Bademode-Laden. Die Schweizerinnen scheinen – zumindest wenn man diese Schaufesterpuppe als repräsentativ betrachtet – etwas muskulöser am Bauch herum zu sein.

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Hier gibt es dann noch eine kleine Anekdote hinter der Entstehung dieses Fotos: [Anfang der Anekdote] Die weiblichen Teilnehmer der Reisegruppe diskutierten ausführlich die Frage, ob es sich bei dieser Schaufensterpuppe denn wirklich um eine weibliche Figur handele und ob ein solches Sixpäckli (wie der Schweizer sicher sagen würde) denn erstrebenswert sei…Es kam, wie es kommen musste: im Eifer der Diskussion verloren wir, während wir uns vorm Schaufenster festquatschten, doch tatsächlich die Männer – die währenddessen (unbekannterweise) in die nächste Metzgerei eingekehrt waren und plötzlich wie vom Erdboden verschluckt waren. Nachdem wir eine Weile überlegt hatten, in welche Richtung sie entschwunden sein könnten, kamen sie uns dann schließlich doch wieder entgegen: mit Wurst-Einkäufen – und schwärmten uns von der wunderbaren Wurst-Degustation vor, die wir verpasst hatten. Gemein! [Ende der Anekdote]

Die meiste Zeit unseres Aufenthalts im Appenzeller Land war es leider sehr regnerisch. Eines Abends kam zum Glück aber auch mal die Sonne heraus, sodass ich euch nun auch ein paar sonnige Impressionen präsentieren kann:

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In der nächsten Folge meiner Serie geht es dann noch in die Berge, denn trotz des doch eher bescheidenen Wetters ließen wir es uns nicht nehmen, eine Wanderung zu unternehmen. Auch eine Anekdote bezüglich eines beliebten Schweizer alkoholischen Getränks, dem berüchtigten “Kafi Lutz”, möchte ich euch nicht vorenthalten. Dies alles, sehr bald, im Blog! Schönes Wochenende, eure Deborah

Voll verstrahlt – Das Poptheaterstück “Fall Out Girl” im Kassablanca Jena

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Fall Out Girl

Durchsichtige Masken aus Plastik, goldene Glitzerstiefel und schwarze hautenge Leggings – die Protagonisten Fall Out Girl und Bartleby kommen in ihrem Erscheinungsbild sehr schrill und bunt daher. Das Stück „Fall Out Girl“, das in seiner Ankündigung als „Radioaktive Roadshow“ betitelt wird, war nachdem es bereits in Städten wie Berlin, Leipzig, Hamburg, Oldenburg und Dresden Halt gemacht hat, nun gestern Abend auch in Jena zu Besuch.

Radioaktive Roadshow – was also hat man sich darunter vorzustellen? Schon zu Beginn wird man als Zuschauer in eine skurrile Umgebung hineingeschmissen, von verschollenen Comicheften und Blubberstaub ist die Rede. Die Titelfigur erklärt Bartleby, einem ehemaligen Händler für Comics, mit schriller Stimme, dass sie auf der Suche nach ihrem spurlos verschwundenen Freund Peter Parker (also known as „Der Spinnenmann“) ist. Bartleby scheint eher wenig motiviert zu sein, ihr zu helfen. Er möchte lieber auf seinem grünen thüringischen Berg sitzen bleiben und sein Leben fernab der Zivilisation genießen. Ehe man es sich versieht, machen sich die beiden doch gemeinsam auf den Weg, spielen mit ihrer E-Gitarre flotte Rock-Songs und kommunizieren via Videotelefon, dessen Bild auf eine große Pappkarton-Wand auf der Bühne projiziert wird, mit diversen Experten für Radioaktivität. Denn Fall Out Girl begeistert sich stark für verstrahlte Stoffe und eifert ihrem großen Idol Marie Curie nach, die bekanntermaßen bei der Erforschung des radioaktiven Elements Radium ihr Leben lassen musste.

Was sehr durcheinander klingt und sich inhaltlich nur sehr schwer zusammenfassen lässt – ist es leider auch durchgängig! Auf lange Diskussionen zwischen Bartleby und Fall Out Girl folgen schnelle Wechsel der Kostüme, die sich in ihrer Skurrilität immer weiter selbst überbieten, gesungene Rockballaden, weitere Videoprojektionen und grell-bunte Requisiten wie ein übergroßer aufblasbarer Pikachu. Das durchaus gesellschaftskritische Grundthema, Radioaktivität und ihre Folgen für die Menschheit, wird zwar durchgehend angesprochen und untermalt – man spürt den Ernst mit dem der Regisseur auf dieses Problemthema verweisen wollte. Allerdings verschwindet dieses Thema allzu oft hinter klamaukigen Witzen, die einem teils nur ein müdes Lächeln abringen und immer weiteren schrillen Kostümen. Das Stück, das sich als eine Mischung aus Performance, Poptheater und Rockkonzert einordnen lässt, mangelt es an einem roten Faden. Die Szenenfolge ist wenig nachvollziehbar. Warum wird jetzt wieder ein Atom-Experte via Projektion zu Rate gezogen? Warum geben die beiden jetzt und nicht später ein Lied zum Besten?

Die Einzelteile an sich sind zwar teilweise durchaus gelungen. Gerade dem Aspekt, dass zwei (gesanglich begabte) Schauspieler über ganze 90 Minuten alleine die Show schmeißen, Bühnenumbauten selbst vornehmen und dennoch stets ihre gute Form behalten, ist Respekt zu zollen. Das Bühnenbild ist zwar schrill und abgesehen von der Videoprojektion dennoch eher einfach gehalten, aber es enthält viele kreative und innovative Einfälle. Durch seine Schlichtheit ist es zudem ein guter Beweis dafür, dass man auch mit wenig Ausrüstung große Effekte erreichen kann. Der Inhalt des Stücks ist aber hingegen eindeutig zu verworren geraten, sodass man sich als Zuschauer spätestens ab der Mitte des Stückes nur noch überrannt fühlt und sich stellenweise die Frage nach dem Sinn der Performance stellt. Am Schluss schwirrt einem der Kopf vor lauter Absurditäten. Schade um die talentierten Schauspieler. Bei diesem Stück heißt die Devise abschließend wie so oft: weniger ist eben doch mehr.

Auf Reisen: Hopp Schwiiz! (1)

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Am Himmelfahrtswochenende war ich mal wieder auf Reisen. Es ging in die Schweiz, meiner zweiten Heimat. Denn, wie vielleicht nur wenigen bekannt ist: ich bin Halbschweizerin – und war schon eindeutig viel zu lange nicht mehr dort gewesen! Dies sollte sich an diesem Wochenende ändern. Ich packte meine Siebensachen und machte mich mit meiner Familie auf in Richtung Eidgenossenschaft. Mit dabei hatte ich wie immer meine Kamera – und wie der treue Leser des Sommerdiebe-Blogs weiß – werde ich die besten Schnappschüsse im Folgenden in einer Mini-Serie an dieser Stelle präsentieren. Mal sehn, ob ich wieder auf so viele Folgen komme wie nach anderen Reisen (siehe Hamburg oder Riga) – lasst euch am besten einfach mal überraschen! ;)

Nach einer leicht strapaziösen Anreise (aufstehen um 3.30 Uhr, kleinere Gepäckprobleme mit grummligen Easyjet-Mitarbeitern), einem Zwischenhalt in Basel und Zürich, kamen wir gegen Nachmittag im schönen Appenzeller Land an. Eine Idylle. Ich traute meinen Augen kaum. Saftig grüne Wiesen mit (glücklichen? ;) ) Kühen drauf, gemütliche Bauernhäuser, kleine Flüsschen – eine echt schöne Atmosphäre. Perfekt, um sich zu erholen. Jaaa..ich Stadtkind kann mich tatsächlich auch mal für das Landleben begeistern. Dementsprechend kam ich aus dem Kühe-vor-Bergkulissen-Fotografieren kaum noch heraus ;) )

Wenn die Schweizer eines gut können, dann ist es das: sehr schmackhaftes Essen! Diese Erkenntnis festigte sich in den nächsten Tagen immer mehr. Da der erste Tag ziemlich verregnet war, flüchteten wir uns in die Schaukäserei, wo wir – mit schickem iPad ausgestattet – dem Geheimnis des legendären Appenzeller-Käses ein Stück näherrückten. Das Rezept für die Kräutersulz, mit der Käse eingerieben wird, wird bis heute wohlbehütet in einem Safe aufbewahrt, zu dem nur zwei Menschen Zugang haben.
Im Großen und Ganzen – das blieb einem nicht verborgen – handelte es sich bei der Schaukäserei um eine einzige, gut durchdachte Werbeaktion. Denn natürlich bekommt man, wenn etwa eine Stunde eine charmante Männerstimme mit Schweizer Akzent den wunderbaren Appenzellerkäse in höchsten Tönen lobt, vor allem eines: Hunger! Gut, dass wir einen Gutschein für ein kleines Chäs-Plättli hatten und uns so durch die drei Hauptsorten durchprobieren konnten. Sehr lecker! (es sollte übrigens, nebenbei gesagt, nicht das einzige Mal sein, dass wir uns irgendwo durchprobiert haben. Der Satz: “Kann i das deguschtiere?” wurde in den folgenden Tagen zu einem unserer Lieblingssätze, da es im Appenzell quasi überall – sei es eine noch so kleine Bäckerei – die Möglichkeit der Degustation gibt. :D )

Danach folgte ein kleiner Verdauungsspaziergang durch den sehr malerischen Ort Appenzell. Was ich dort so alles degustiert habe (nein, Spaß) und was es sonst noch so zu sehen gab, seht und lest ihr dann demnächst. Uf Wiederluege!

Aus dem Alltag einer Literaturstudentin (2)

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Ja, ich geb’s ja zu. Nach einem bloggingtechnisch sehr produktiven März kam ein doch sehr mauer Monat April. Bevor man nun bald wirklich das letzte Kalenderblatt des aktuellen Monats abreißen kann, lest ihr doch noch mal wieder was hier. Ich gehe im Moment in meinem Literatur, Kunst, Kultur-Studium zwar voll und ganz auf (viele tolle, aber auch fordernde Veranstaltungen! :) ), aber zum Bloggen hat es irgendwie dann doch nicht gereicht. Auch sonst schwirren in meinem Kopf einfach zu viele unsortierte Dinge herum. Wie auch immer. Hier ein kurzer Einblick in mein wirres Literaturstudentenleben.

Döblin und Kafka

1. Holla! Ein paar literarisch sehr harte Brocken!

Ich hab es mir mit der Wahl meiner Kurse dieses Semester wahrlich nicht leicht gemacht. Aber warum sich nicht auch mal ein bisschen fordern? ;) Zuerst einmal habe ich mich entschlossen, ein Seminar zum modernen Roman schlechthin zu besuchen. “Berlin Alexanderplatz” von Alfred Döblin. Ich sag es gleich: Diesen Roman habe ich in der Vergangenheit schon mindestens zweimal angefangen zu lesen. Und immer nach ca. 30 Seiten frustriert beiseite gelegt. Kryptisch bis zum geht nicht mehr. Bewusstseinsströme. Mittendrin plötzlich ein Wetterbericht (?) und Statistiken der Stadt Berlin. Nun habe ich mich allerdings doch durchgerungen – alle guten Dinge sind bekanntlich drei – und muss sagen: bisher läuft die Lektüre wirklich um einiges besser als die letzten Male.

Und dann auch noch Kafka! Auch wahrlich keine leichte Kost. Hier habe ich mittlerweile festgestellt, dass die kürzesten Texte (die teilweise nur aus etwa 1-5 Sätzen bestehen) die schwierigsten sind und die, die die meisten Fragezeichen im Kopf auftauchen lassen. Aber literarisch ist es auf jeden Fall interessant. Mal sehn, wie das so weiter geht.

Woody Allen

2. Film, Film, Film!

Nein, keine Sorge. Meiner akuten Filmsucht werde ich in diesem Semester auf jeden Fall auch weiter frönen. Ich steige gerade in die Grundlagen der Filmanalyse ein. Analysiert werden Filme von Woody Allen. Muss ich dazu sagen, dass dieser zu meinen Lieblingsregisseuren gehört? Angucken muss (achwas, was heißt muss? Ich darf!!! Welch Freude!) jede Woche einen Film angucken! :) Nach diesem Semester werde ich also denk ich bestens über das Werk Allens Bescheid wissen. Vielleicht schafft es dann ja auch die eine oder andere Rezension in das Farbfilmblog!

Desweiteren habe ich mich bei den Philosophen eingeschummelt und erfahre in einer spannenden Vorlesung etwas über die “Philosophie des Films”. Dies ist um vieles packender, als es zunächst vielleicht klingen mag. Diskutiert werden Fragen wie “Was ist Filmkunst?” oder “Was macht einen Film zu einem künstlerischen Werk?”. Garniert wird dies mit kurzen Ausschnitten aus bedeutenden Werken der Filmgeschichte. Bekomm ich keine Credits für, aber egal! Macht Spaß. Dafür steh ich doch gerne mal ein bisschen eher auf ;)

Gassi gehen mit Wildschweinen - kleine Scherze am Wegesrand...

Gassi gehen mit Wildschweinen – kleine Scherze am Wegesrand…

3. Jena mal touristisch

Dass Jena sehr touristisch ist, ist natürlich leicht übertrieben. Aber die letzten beiden Wochenenden hatte ich dieses Gefühl. Schlichtweg aus dem Grund, weil ich Reiseführerin für diverse Besucherinnen und Besucher aus Berlin gespielt habe. Da sieht man die eigene Studienheimat plötzlich nochmal mit anderen Augen, da man sich fragt: Was zeige ich bloß? Was ist repräsentativ für das Leben in Jena? Die altehrwürdige Uni? Meine schnucklige WG-Küche? Oder doch der idyllische Paradies-Park? Von Thüringer Rostbratwurstessen über Wanderungen auf beliebte Aussichtspunkte und Touren durch gemütliche Studentenkneipen habe ich jedenfalls sämtliche Register gezogen, die Stadt Jena von ihren schönsten Seiten zu zeigen.

Messina

4. Italien, ich komme!

Dies sage ich mir zumindest laufend, denn vorher rollt da leider noch eine enorme Bürokratie-Welle auf mich zu. Erasmus-Formulare, Uni-Anmeldeformulare, Transcript of Records und wie diese Dinge alle so klangvoll heißen: Mir steht noch viel Gerenne bevor. Aber was soll’s. Den nächsten Winter (ab Oktober) werde ich, wenn alles gut läuft, im hoffentlich sonnigen, aber in jedem Fall schneefreien (!) Messina auf der Insel Sizilien verbringen. Immer wenn ich wieder mal zwischen den lauter Formularen zu versinken drohe, schaue ich mir zur Motivation schöne Sizilien-Fotos an. An den zwar schon vorhandenen, aber sicher noch zu vertiefenden Italienischkenntnissen wird derzeit noch intensiv gefeilt. Achja. Das wird schon. Die Vorfreude steigt. (und ein Blog über Messina wird’s dann auch geben. Versprochen!)

So, damit hoffe ich, dass ich bald wieder frische Ideen für Rezensionen oder ähnliches habe. Macht’s gut! Bis bald! :)

Literatur in 300 Wörtern (12): Ljudmila Ulitzkaja – Die Lügen der Frauen

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Bedeutende Schriftsteller der Weltliteratur: Dostojewski, Tolstoi, Tschechow…ja, diese Aufzählung könnte man noch endlos weiterführen, denn: die Russen haben es – schlicht gesagt – literarisch einfach drauf! Aber wie so oft, musste ich feststellen, dass ich über die moderne, aktuelle (!) Literatur in diesem Land eigentlich viel zu wenig weiß. In den Semesterferien fiel mir zufällig ein Werk der Moskauer Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja in die Hände. Da mein Blog derzeit ja gerade wieder im Begriff ist, ein wenig Staub anzusetzen (und dies natürlich auf keinen Fall passieren darf!), lest ihr jetzt eine neue Folge “Literatur in 300 Wörtern”.

Ljudmila UlitzkajaInhalt in 3 Sätzen: Die Moskauerin Shenja ist ein Mensch, dem alle gern ihr Herz ausschütten: immer wieder muss sie jedoch auch erfahren, dass nicht alles, was ihr voller Dramatik geschildert wird, der Wahrheit entspricht. Die Frauen, die Shenja ihr Leid berichten, haben sich oft schon ein scheinbar sicheres Gerüst von Lebenslügen geschaffen, von dem sie nicht wieder so leicht abrücken können. Als Shenja eines Tages selbst ein schwerer Schicksalsschlag ereilt, wird auch sie vor die Entscheidung gestellt: lügen oder zu dem Geschehenen stehen?

Lieblingszitat:In diesem Augenblick kam Ljuda herein, graziös schwankend, mit einer leichten Drehung vor jeder Türklinke. Sie stürzte in eine Kabine, erbrach sich und pinkelte. Dann kam sie heraus. Die Toilettenfrau drückte ihr sofort ein Glas in die Hand. Ljuda spülte sich den Mund und sprühte Mundspray hinein. Sie setzte sich auf die Chaiselongue. Ihr Blick fiel auf Shenja, und schlagartig war jegliche Freundlichkeit von ihrem Gesicht weggewischt wie ein Make-up. Sie zündete sich eine Zigarette an, verzog das Gesicht zu einer Grimasse und sprach Shenja plötzlich im Ton einer Straßennutte an: ‚Was machst du hier? Von wem wirst du bezahlt? Was willst du überhaupt?‘ Wie häufig bei Betrunkenen, war ihre Stimmung offenbar abrupt umgeschlagen, und Shenja antwortete sanft: ‚Ich schreibe ein Filmskript, Ljuda, über russische Mädchen in Zürich. Und du bist hier die Heldin, alle reden von dir – Ljuda aus Moskau…‘”

Die russische Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja wirft in ihrem Buch einen Blick in die Psyche geschundener weiblicher Seelen. Eine rechte Einordnung, was man vor sich hat – Kurzgeschichtenband, Erzählzyklus oder Roman – ist recht schwierig, da die 6 Kapitel alle für sich allein stehen könnten, gleichzeitig aber auch immer die charismatische Hauptfigur Shenja vorkommt. Die geschilderten lügenden Frauen werden nie bloßgestellt, sondern stets mit einem liebevollen Blick charakterisiert. Sie alle trotzen dem grauen, eintönigen Alltag, indem sie sich in Traumwelten flüchten, sich ihre eigenen Realitäten erfinden. Gleichzeitig wissen sie stets, dass ihre Luftschlösser ebenso schnell wie sie errichtet wurden auch wieder einstürzen können.

Dieses Buch ist für Leser, die sich für zeitgenössische russische Literatur interessieren. Ljudmila Ulitzkaja entführt den Leser in ihrem ungewöhnlichen Prosawerk in fremde russische Lebenswelten und beweist eine beeindruckende Beobachtungsgabe. Auf dass diese bemerkenswerte literarische Stimme noch von vielen Lesern gehört werde!

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