Kino: A Most Wanted Man

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A Most Wanted Man

Ein Spionagethriller, der in Hamburg spielt? In Anton Corbijns neuem Film “A Most Wanted Man” verfolgen mehrere Geheimdienste einen Terrorverdächtigen durch die Hansestadt. Solider Agentenfilm mit guten Schauspielern (Seymour Hoffman!!!), eindrucksvoller Atmosphäre, aber leider auch etwas dünner Handlung. Meine Rezension lest ihr jetzt im Farbfilmblog!

Hemingway und Fitzgerald – eine besondere Schriftstellerfreundschaft

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Hemingway

Der Direkte: Ernest Hemingway

Es gibt kaum zwei Schriftsteller, die so oft in einem Atemzug genannt werden, wie diese: Ernest Hemingway und F. Scott Fitzgerald. Die beiden Vertreter der sog. „Lost Generation“, die sich in den 1920er Jahren in Paris vergnügte und einen ganz eigenen Schreibstil hervorbrachte, sind längst in die Literaturgeschichte eingegangen, ebenso wie die enge Freundschaft zwischen diesen beiden großen Exzentrikern bis heute fasziniert. Das bereits vor einem Jahr erschienene Buch „Wir sind verdammt lausige Akrobaten – Eine Freundschaft in Briefenwir-sind-verdammt-lausige-abeleuchtet die Beziehung dieser zwei gegensätzlichen Schriftsteller, die sich trotz ihrer Andersartigkeit eine ganze Zeit lang als Freunde und Kollegen brauchten. Erstmals finden sich die Briefe, die sich Hemingway und Fitzgerald über Jahre hinweg schrieben, in deutscher Übersetzung versammelt in einem Band und ermöglichen Einblicke in das Leben beider Schriftsteller, ihre Sorgen und Ängste, aber auch in ihre ganz besondere Freundschaft, die einerseits von großer Begeisterung für das literarische Schaffen des jeweils anderen geprägt war, aber auch von Neid, Missgunst und dem ständigen angstvollem Gefühl, der andere würde mit seinem Werk mehr Erfolg haben und man selbst als der Schwächere von beiden von der literarischen Welt vergessen werden. So finden sich ebenso tröstende Briefe voller Herzenswärme und Mitgefühl, in denen sich beide Autoren gegenseitig Mut machen, wie Briefe, in denen mit großen Honoraren geprotzt wird, oder damit, am heutigen Tag wieder mehrere Kurzgeschichten fertig gestellt zu haben. Es zeigt sich, dass Schriftsteller die erbarmungslosesten Kritiker sind – aber vielleicht auch die ehrlichsten, die die Fähigkeit haben, ein gutes Werk zu einem grandiosen Werk zu machen. So hat sich beispielsweise Hemingway die Anmerkungen und detaillierten Verbesserungsvorschläge seines Freundes Fitzgerald sehr wohl zu Herzen genommen und einige seiner Romane (z.B. Fiesta, In einem anderen Land) auf dessen Anraten hin stellenweise erneut grundlegend gekürzt oder weitere Änderungen vorgenommen.

Fitzgerald

Der Sensible: F. Scott Fitzgerald

Briefe verraten wie kaum ein anderes Medium den Charakter des Schreibenden, dies scheint diese Briefsammlung auch zu zeigen. Da ist Hemingway, der selbstsichere, manchmal großkotzige Mann, der kaum ein Blatt vor den Mund nimmt – und sich mehrmals für seine unsensible Art bei Fitzgerald entschuldigt. Und doch steckt auch hinter diesem Benehmen letztendlich eine verletzbare Schriftstellerseele, die sich mal schüchtern, mal sehr direkt nach der Wirkung seines letzten Romans erkundigt. Vielleicht auch, weil er ahnt, dass er nur von seinem Schriftstellerfreund eine ehrliche und ungeschönte Meinung erhalten wird – während die Literaturszene ihm gerne auch mal Honig ums Maul schmiert. Auch Fitzgeralds Briefe verraten sehr viel über seine labile, teils depressive Gemütsverfassung, in denen er sich immer wieder an seinen treuen „Hem“ wendet und von ihm Trost zu erhoffen scheint. Angetrieben von der Angst, Zeit seines Lebens nicht mehr an den Erfolg seines Welterfolgs „The Great Gatsby“ heranreichen zu können, äußern sich bei ihm oft Versagensängste und Selbstzweifel – die ihn zudem, wie einige Briefe durchschimmern lassen – immer wieder zur Schnapsflasche greifen lassen. Hemingway macht ihm dann auch Mut, aber was für einen!

„Bei einem Roman gibt es nur eins: Man muss geradewegs durchstampfen, bis das verdammte Ding zu Ende ist. […] Zum Teufel. Du hast mehr Material als jeder andere, und Du kümmerst dich auch mehr darum; halt also jetzt um Gottes willen durch und bring es zu Ende, und schreib bitte nichts anderes, bis es fertig ist. Es wird gut sein, verdammt gut!“

Amen. Solche und vielerlei andere lesenswerte Weisheiten über das Leben, das Schreiben und die Kunst, sich nicht verunsichern zu lassen, finden sich also in diesem schmalen Bändchen mit Briefen zwischen zwei Schriftstellern, wie sie bis zum heutigen Tag ihres gleichen suchen. Ein spannendes Dokument einer besonderen Künstlerfreundschaft – nicht nur für eingefleischte Leser von Hemingway und Fitzgerald eine mitreißende Lektüre.

Filmpalast des Ostens – das Kino International in Berlin-Mitte

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Zum Tag des offenen Denkmals lockten heute zahlreiche Institutionen in Berlin zu kostenlosen Führungen, so auch das Kino International in Berlin-Mitte. Das einstige Premierenkino der DDR, angesiedelt an der breiten Karl-Marx-Allee, feierte bereits im vergangenen Jahr sein 50. Jubiläum und wird mittlerweile von der Yorck-Gruppe betrieben, zu der insgesamt 14 Filmkunstkinos verteilt über das ganze Stadtgebiet gehören.
Auch wenn die Yorck-Kinos schon länger zu meinen Lieblingskinos zählen (faire Preise, schön gestaltete Säle, gutes Programm mit vielen Independent-Produktionen), in das Kino International hatte ich mich bisher noch nicht verirrt. Als Charlottenburgerin bedeutet dies eben doch, eine kleine Berlin-Reise an das andere Ende der Stadt auf sich zu nehmen. Gelohnt hat sich die Fahrt aber auf jeden Fall. Das Kino International ist denkmalgeschützt und präsentiert somit immer noch den Glanz vergangener Zeiten, als Walter Ulbricht, Erich Honecker und andere hochrangige Politiker der DDR noch durch das großzüge Foyer flanierten oder den Filmpremieren jeweils in der berühmt-berüchtigten Reihe Nr. 8 (die Reihe mit der besten Sicht auf die Leinwand) beiwohnten. Knut Steenwerth, Gründer der Yorck Kinogruppe, führte fachmännisch und mit viel Sinn für Humor durch die Räumlichkeiten, u.a konnte auch der versteckte Bunker im Keller des Gebäudes (mit Plumpsklo und Waschbecken) oder der Repräsentationsraum (rote Samtsofas, DJ-Pult und Klimaanlage) für DDR-Prominenz besichtigt werden. Luxus und Repräsentation, das waren zwei wichtige Aspekte beim Erbau des Kinos – soviel wird schnell klar, spätestens als vom “Privat-Fahrstuhl”, der den Parteigenossen höchsten Komfort bot und sie so weit es ging vom gemeinen Volk fernhielt, die Rede ist. Nach gut 2 Stunden war die spannende und aufschlussreise Zeitreise in der eigenen vertrauten, manchmal aber doch sehr fremden Stadt dann vorbei, aber ich werde bestimmt wieder kommen. Das nächste Mal dann wieder als ganz normaler Kinobesucher, der sich nur einen Film anschaut und die einmalige nostalgische Atmosphäre dieses Filmpalasts des Ostens auf sich wirken lässt.

Kino: Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit

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Mr. May

Herbstzeit ist Kinozeit. Und weil das so ist, hab ich mich auch mal wieder in ein Kino begeben, um mir die bittersüße Tragikomödie “Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit” anzusehen. Hier macht sich ein liebenswürdiger Mitarbeiter der Londoner Verwaltung auf die Suche nach Hinterbliebenen von Toten, die eigentlich niemand mehr kennen möchte. Ein stiller, melancholischer und nachdenklicher Film über Einsamkeit und fehlende Empathie in der modernen Gesellschaft: ideal für den Herbst.

-> Zur Rezension geht’s hier entlang!

Zwiegespräch im Wartesaal: „Gift“ im Deutschen Theater Berlin

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Ein grauer Wartesaal, ein paar Stühle, links blinkt einsam ein Kaffeeautomat in dieser doch sehr tristen Umgebung. Auch die beiden Protagonisten, ein Mann und eine Frau, die sich nach ihrer Trennung vor 9 Jahren an diesem unpersönlichen, kalten und wenig einladenden Ort wiedertreffen, wirken verloren, wissen nicht, was sie einander sagen sollen, es folgt unsicheres Gestammel über Banalitäten. Was tun sie hier eigentlich?

Schnell wird klar: hier liegt noch einiges im Argen! Verletzte Gefühle, nicht bewältigte Trauer, verschiedene Vorstellungen vom Leben und vom Glück, über die sich die beiden Ex-Partner scheinbar noch nicht ausgesprochen haben. Auf ihren Schultern lastet zudem immer noch ein Schicksal, das sie vor 9 Jahren ereilte: ihr einziger Sohn kam bei einem Autounfall ums Leben. Dies war zu viel für sie, für ihre Beziehung, für jeden einzelnen von ihnen. Er flüchtete noch in der Silvesternacht, mit zwei Koffern, wartete zwar noch, dass sie ihn aufhalten würde – begann dann aber ein neues Leben in Frankreich. Sie, derweil – blieb zurück: sowohl mit ihrer Trauer um den Sohn, als auch um den Verlust ihres Mannes.

Da sind sie nun also. Zunächst scheint nur eine reine Formalität die beiden gescheiterten Ehepartner zu einem Wiedersehen motiviert zu haben. Der Friedhof, auf dem ihr Sohn Jakob liegt, soll laut eines Briefes der Friedhofsverwaltung von einem rätselhaften Gift betroffen sein, sodass einige Gräber umgebettet werden müssen. Sie warten, dass ihnen nun jemand mehr darüber sagen wird. Die Stunden verstreichen, niemand kommt. Die banalen Gesprächsthemen sind schnell aufgebraucht, das Wortduell über vergangene Zeiten ist eröffnet! Doch die Fronten scheinen verhärtet, sie verstehen den jeweils anderen nicht. Er wirft ihr vor, sich nach all den Jahren immer noch allzu gerne in ihrem Unglück zu suhlen: „Du badest in deiner Trauer als würde es ein schönes, warmes Bad sein.“ Sie hingegen verurteilt ihn für seine Gefühlskälte, sich damals einfach davongemacht, sie in ihrem Leid verlassen zu haben. Wie konnte er jetzt wieder so weiterleben, als wäre nichts geschehen? Mit neuer Frau, mit neuem Kind, irgendwo in der Normandie. „Und jetzt willst du darüber auch noch ein Buch schreiben?“, schreit sie, als er ihr von seinen schriftstellerischen Ambitionen berichtet.

Und doch stellt sich im Laufe ihres emotionsreichen Disputs eine Annäherung zwischen beiden ein. Die beiden Darsteller Dagmar Manzel und Ulrich Matthes spielen ihre beiden Rollen sehr realistisch, jede Bewegung und Geste sitzt, ihr Zwiegespräch ist ergreifend und bewegend. Man beginnt, ebenso wie der jeweils andere Partner im Stück, immer mehr die Motivation hinter ihrem Handeln zu verstehen. Manchmal hat man schon ganz vergessen gerade ein Theaterstück zu sehen, so sehr kann man die von den Schauspielern darstellten Gefühle und Ängste nachempfinden. Das ist psychologischer Realismus, der unter die Haut geht. „Gift“ (nach einer Vorlage von Lot Vekemans) mit zwei brillanten Schauspielern in den Hauptrollen – ein berührendes Kammerspiel, das einen Besuch sehr lohnt. (An der Bar traf ich eine Frau, die sich das Stück bereits zum vierten Mal zu Gemüte führte – nunja, warum nicht. Aber einmal reicht vielleicht auch schon, um diese großartige Inszenierung schätzen zu können. ;))

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