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Es ist vollbracht! Ich habe mir tatsächlich aus ein bisschen Pappe und ein paar kleinen Plastikteilchen eine Kamera gebastelt! Aber von Anfang an: Zu Weihnachten hat mir mein werter Bruder L. ein Bastelset für eine eigene Pinhole Camera (auch bekannt als Camera Obscura oder Lochkamera) geschenkt. Das Prinzip dieser Art von Kamera ist simpel: Durch ein kleines Loch (das pinhole) fällt Licht. Das dabei entstehende Bild lässt sich auf dem eingelegten Film festhalten. Fertig ist die einfachste Fotoaufnahme überhaupt – ohne Linse!
Von dieser einfachen Art zu fotografieren, hatte ich schon öfter gehört. Das Ganze klang zwar sehr experimentell, aber analoger ging es nun wohl wirklich nicht mehr. Einen Versuch war es auf jeden Fall wert. Ich packte die einzeln gestanzten Kamerabestandteile aus fester schwarzer Pappe aus, öffnete die beigelegten Cellophantüten mit undefinierbaren Plastikteilen und war zunächst skeptisch: Daraus sollte irgendwie eine funktionierende Kamera entstehen? Ich warf einen Blick auf die Anleitung und – es war erstmal vorbei. Ohje! Wie sollte ich das hinbekommen? Angesichts der kleinen Bildchen in der Anleitung mit allerlei kryptischen Pfeilen und Bezeichnungen für die Bauteile (P1, B2, M7..ähja) kriegte ich – kurz gesagt – das kalte Grausen! Zu sehr fühlte ich mich an die unsäglichen IKEA-Möbelaufbauanleitungen erinnert, die mich schon so einiges meiner Lebenszeit (und Nerven) gekostet haben. Bloß schnell wieder alles in den Karton rein! Das mach ich irgendwann mal…ein andermal!

M4 knicken und dann auf M3 kleben, oder wie gehört das jetzt?! Die gefürchtete Bauanleitung...
Es wurde Januar, es wurde Februar. In meinem Zimmer lag immer noch die Schachtel mit dem Kamerabauset. Manchmal öffnete ich die Schachtel und blickte auf die fein säuberlich verpackten Bauteile, warf einen Blick auf die Anleitung (Sollte ich es jetzt vielleicht mal wagen?) – und beschloss dann doch jedes Mal: Ich hab da jetzt keine Zeit für! Bis gestern. Mit einem festentschlossenen Griff zur Schachtel machte ich mich an die Bastelei: „Kann doch nicht sein! Ich probier das jetzt, verdammt!“
Ich breitete die Pappbögen in meinem Zimmer aus und begann die Teile, die ich brauchte, herauszulösen. War doch gar nicht so schwer. Im Nu hatte ich das „Backcover“, also die Rückwand der Kamera, konstruiert und mit den beigelegten schwarzen Klebestreifen fachmännisch fixiert. Beim Innenleben der Kamera (Filmhalter, Pinhole…und was da halt so drin ist
) fing es dann schon an, kniffliger zu werden. Die Pfeile in der Anleitung mussten ausgiebig interpretiert werden, wär ja auch einfach zu ärgerlich, wenn man irgendwo was falsch machen würde! Vor allem: eine Pappkamera ließ sich ja auch so schwer wieder auseinandernehmen – wenn man nicht die ganzen sorgfältig angebrachten Klebestreifen wieder unsanft abreißen wollte! Ich grübelte also ausgiebig, raufte mir zwischenzeitlich die Haare, begann zu fluchen, zu seufzen, war mehrmals wild entschlossen das ganze Zeug doch ruhen zu lassen und „ein andermal“ weiterzumachen! Aber nein… es musste doch irgendwie machbar sein! Konnte doch nicht sein, dass ich es nicht schaffte, mir eine Pinhole Camera zu bauen!
Auch die kurzen (englischsprachigen) Anmerkungen in der Anleitung waren teilweise sehr uneindeutig, speziell in Verbindung mit den kleinen Pfeilen daneben. Welcher Schritt kam zuerst? War es schlauer den ganzen Kamerabody erstmal mit Klebestreifen zu fixieren? Oder sollte man vorher besser den Filmhalter einsetzen? Ich machte ersteres – anscheinend keine gute Idee! Also nochmal vorsichtig die Kleber gelöst. Die Zeit verstrich, die Nerven lagen blank! Eines war mir schon längst klar geworden: Bei dem Verfasser der Bauanleitung musste es sich um einen unglaublich großen Optimisten handeln: „Assembles in 1 hour or less“ hatte auf dem Karton gestanden. In einer Stunde (und sogar noch WENIGER) dieses Monstrum aus Pappe aufzubauen? Respekt! Den, der das schafft, will ich kennenlernen…Der hätte mir nämlich schön dabei helfen können! Bei mir waren mittlerweile schon fast zwei Stunden vergangen – und es folgten noch so einige Arbeitsschritte bis zur fertigen Kamera! Eine weitere gute halbe Stunde – und viele Seufzer später – hatte ich es aber doch noch halbwegs geschafft. Die Plastikteile (die Knöpfe, mit dem man den Film vor/zurückspult) waren leider teilweise nicht immer passend – eventuell auch weil sie nicht ganz so sauber verarbeitet waren. Die Waffe einer Frau (Nagelfeile!) war also gefragt – frei nach dem Motto: was nicht passt, wird passend gemacht!


Beispiele für Pinhole Camera-Aufnahmen (Quelle: http://www.sharan-camera.com)
Und dann stand sie da! Tatsächlich! Eine schicke schwarze Kamera, in harter und langwieriger Handarbeit hergestellt, so sehr habe ich mich bisher wohl noch nie für die analoge Fotografie ins Zeug gelegt. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass die viele Arbeit nicht umsonst war – und ich wenigstens eine halbwegs funktionstüchtige Kamera erschaffen habe. Wenn es fotografische Ergebnisse gibt, werde ich diese natürlich an dieser Stelle zeigen!





Seit Donnerstag ist der moderne Stummfilm des französischen Regisseurs Michel Hazanavicius in den Kinos. Ich hab ihn mir angesehen – meine Rezension lest ihr (obwohl er schwarzweiß ist..höhö!) wie immer im 
Aber auch als Nicht-Kafkakenner kommt man auf seine Kosten. Abgesehen von den bereits von mir anfangs erwähnten Kafkaklischees, die natürlich keineswegs weggelassen werden können, wird in erster Linie ein intimes Bild eines Schriftstellers gezeichnet, der nicht nur unter seiner Tuberkuloseerkrankung, sondern vor allem auch an seinem mangelnden Selbstwertgefühl zu leiden hat. Dass dieser Mann zufällig Franz Kafka heißt, ist für die Erzählung und die erzielte Wirkung beim Leser nicht zwangsläufig wichtig. Es könnte auch der Leidensweg eines x-beliebigen Möchtegern-Schriftstellers sein – der Roman wäre trotzdem fesselnd!
Minderwertigskeitskomplexen geplagt wird und Dora oftmals nach einem langen Schreibexzess bittet, seine gerade geschriebene Erzählung im Kaminfeuer zu verbrennen. Kafka fühlt sich als Versager. Seine eigenen literarischen Werke verstauben in den Regalen der Buchhandlungen, während Schriftstellerkollegen wie etwa sein guter Freund Max Brod von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. “Wer konnte auch ahnen, dass sich das Blatt nochmal so wenden würde?”, denkt man sich als heutiger Leser und fühlt umso mehr mit dem von Selbstzweifeln zerfressenen Schriftsteller mit.